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No Man's Sky - Interview

Vom Indie zum Star-Entwickler, der Kanye West warten liess

Interview Benjamin Kratsch

„No Man’s Sky“ ist in aller Munde, Gamer sind heiss auf den Weltensimulator. Wir haben Sean Murray getroffen und mit ihm über die stürmische Begeisterung der Weltpremiere, aber auch die zerstörerische Flut gesprochen, die sein Studio zerlegte. Und wie plötzlich Steven Spielberg, Elon Musk und Kanye West sein Spiel sehen wollten.

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Spieleentwickler sind die Helden dieser Industrie. Um uns grosse Werke wie „Uncharted 4“ (unser Test kommt am Donnerstag, freut euch drauf), „GTA 5“, Battlefield 5“, „Call of Duty: Infinite Warfare“ oder all’ die anderen digitalen Kunstwerke zu liefern, nehmen sie Überstunden auf sich, müssen ihre Familien oft vernachlässigen, schlafen auf einer Couch im Studio. Doch das alles ist wenig im Vergleich zu dem, was Hello Games für „No Man’s Sky“ durchmachen musste. Denn am 25. Dezember, ausgerechnet in der Weihnachtszeit, trat das Wasser eines grossen Flusses bei Guildford über die Ufer und überschwemmte die Stadt. Es war abends, alle Mitarbeiter von Hello Games feierten Weihnachten mit ihren Familien, da erreichte Murray die SMS eines Büro-Nachbarn. Da sei etwas mehr Wasser als sonst, er solle doch mal die Lage checken. Als der Creative Director und Studiochef in den Büros ankommt, steht ihm das Wasser bereits bis zu den Knien, Konzeptarbeiten und Artworks schwimmen ihm entgegen. „Macbooks schwimmen wirklich“, tweetete Sean später in die Welt hinaus und nahm damit eine recht tragische Wendung des Schicksals für sein Studio mit Galgenhumor.

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Vom einen auf den anderen Moment war alles zerstört, die PCs und iMacs hin. Als das Wasser ging, blieb nur brauner, dicker Schlick, der sich durch das ganze Studio zog. Ein aussergewöhnliches Thema und doch eines, über das es sich zu sprechen lohnt. Sean Murray hat für uns jene Tage Revue passieren lassen, gibt aber auch einen kleinen Einblick in die Welt eines Indie-Entwicklers, der sich erst kaum traute sein Werk auf den Video Game Awards, den Oscars der Spielebranche, zu enthüllen und dann sprungartig im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Vom Nobody zum Superstar der Gaming-Szene binnen 24 Stunden, Sean Murray hat das erlebt. Doch das erzählt er euch lieber selbst, denn wir haben den sympathischen Briten in London und New York getroffen.

Fangen wir mit dem Positiven an, der grossen Enthüllung. Ihr sitzt also im Flieger nach Los Angeles, bereit euer Baby der Welt zu präsentieren. Was für ein Gefühl war das? Die Video Game Awards sind ja durchaus eine Veranstaltung, die Millionen an Zuschauern anzieht und eines der grössten Events jeden Dezember sind.

Sean Murray: Das war beängstigend. Wir haben ja vorher mit „Joe Danger“ bereits Spiele als Studio entwickelt, aber im deutlich kleineren Rahmen. Zudem ist das ein Titel, den eigentlich jeder gleich begreifen kann, der sehr eingängig ist. Wir wussten natürlich wie viele Fragezeichen bei den Leuten aufploppen würden, weil „No Man’s Sky“ kein Spiel ist, das sich nicht von selbst erklärt. Wir waren also extrem nervös, auch weil das Feedback was wir bisher zu dem Spiel bekommen hatten, gemischt war. Geoff Keighley liebte es, deswegen wollte er uns gerne dabei haben. Andere fanden es nicht so gut und ich habe um ganz ehrlich zu sein bis zur letzten Minute versucht die Enthüllung zu verhindern. Geoff war es letztlich, der uns sanft gezwungen hat uns zusammenzureissen und das Ding einfach zu zeigen. Im Nachhinein hatte er wohl Recht, die Enthüllung war so etwas wie ein Erfolg.

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