Irems 1987 veröffentlichtes "R-Type" ist eine Legende und gilt als eines der prägendsten Shoot 'em ups überhaupt. Nicht nur sah das Weltraumspektakel, in dem ihr als Pilot eines kleinen, aber brandgefährlichen Raumjägers eine ganze Ausserirdischen-Armada in Stücke schiesst, dank seiner düsteren, von "Alien" inspirierten Optik verdammt gut aus, es konnte auch Gameplay-seitig mit spannenden Ideen auftrumpfen. Allen voran: eine unzerstörbare Drohne, die sich sowohl vorn als auch hinten an das Schiff andocken liess, um Projektile abzufangen, oder mitten in die Reihen der Gegner geschleudert werden konnte, um massiven Schaden anzurichten. Kombiniert mit einer aufladbaren Laserkanone, deren effektiver Einsatz viel Timing-Geschick erforderte, interessanten Waffen-Upgrades und einem herausfordernden (aber nie unfairen) Schwierigkeitsgrad, ballerte sich "R-Type" in die Herzen einer ganzen Generation, wurde für mehr als zwölf weitere Plattformen umgesetzt und legte den Grundstein für eine Spielereihe, die seither ein halbes Dutzend weiterer Hauptspiele und zahlreiche Spin-offs hervorbrachte.

Zu den mit Abstand bekanntesten Ablegern zählt "R-Type Tactics". Erstmals am 20. September 2007 exklusiv für Sonys Handheld PlayStation Portable veröffentlicht, wagte die Reihe hiermit einen Abstecher ins Genre der Rundenstrategie, um dort Hit-Serien wie "Advance Wars" und "Fire Emblem" Konkurrenz zu machen. Da die Rechnung vor allem in Japan aufging, erhielt "R-Type Tactics" dort ein Sequel, das am 10. Dezember 2009 auf den Markt kam - nicht jedoch im Westen. Hier spendierte Irem Fans zunächst in Nordamerika (Mai 2008) und dann in Europa (September 2008) eine Umsetzung des ersten Teils.
Mit "R-Type Tactics 1 & 2 Cosmos" findet die komplette "Tactics"-Reihe nun endlich auch ihren Weg auf viele weitere Systeme, darunter PC, PS4 und PS5, Switch und Switch 2 sowie Xbox Series X/S. Highlight der Neuauflage aus der Feder von Granzella - einem Zusammenschluss vieler ehemaliger Irem-Entwickler - ist zum einen die grafische Frischzellenkur auf Basis der Unreal Engine 5. Zum anderen die Tatsache, dass Spieler im Westen erstmals Zugriff auf eine komplett lokalisierte Version von "R-Type Tactics II: Operation Bitter Chocolate" erhalten. Zwar gab es damals Pläne, die Fortsetzung als "R-Type Command II" nach Nordamerika zu bringen, tatsächlich in die Tat umgesetzt wurde es jedoch nie.

Nicht unter den Teppich kehren möchten wir zudem den Zusatz "Cosmos" am Ende des Spielnamens. Denn er steht für eine komplett neue dritte Kampagne mit 24 weiteren Missionen, die eigens für diese Spielesammlung entworfen wurde und an die Ereignisse von "R-Type Tactics II: Operation Bitter Chocolate" anknüpft.
In Sachen Umfang resultiert sie in über 200 verschiedenen Missionen. Schade nur, dass sich die Inhalte von Teil 2 und die "Cosmos"-Kampagne nicht von Anfang an auswählen lassen. Vielmehr müsst ihr zunächst den ersten Teil durchspielen, um dann Zugriff auf die Fortsetzung zu erhalten. Habt ihr auch das erledigt, wird die "Cosmos"-Kampagne freigeschaltet. Wer den ersten Teil auf PSP bereits in- und auswendig kennt und gehofft hatte, direkt mit dem im Westen nicht veröffentlichten Sequel durchstarten zu können, wird bei dieser Design-Entscheidung zweifelsohne mit dem Kopf schütteln.
Stichwort Sequel: Es bietet neben den bereits bekannten Kräften Space Corps und Bydo eine dritte spielbare Fraktion. Sie hört auf den Namen Granzella Revolutionary Army (GZRA) und verfolgt eine strikte Anti-Bydo-Philosophie. Dies wiederum hat zur Folge, dass sie sämtliche aus Bydo-Technologie bestehenden Force-Drohnen komplett ablehnen. Stattdessen setzen sie auf transformierbare Jäger, Raumschiffe mit ausfahrbaren Rammstacheln, schwere Bomber sowie Guerilla- und Ablenkungstaktiken. So können sie zum Beispiel einen Nebel des Krieges erzeugen, um sich darin zu verstecken. Ergänzend dazu ist es Grossraum- und Transportschiffen der GZRA möglich, Hologramme zu erzeugen, also zum Beispiel Kampfjäger aufs Schlachtfeld zu projizieren, die dann wiederum als Köder dienen und Feindfeuer auf sich lenken, aber auch die nähere Umgebung aufklären. Einige Köder lassen sich sogar als Wellenkanonen umfunktionieren und in die Luft sprengen, was für interessante taktische Winkelzüge sorgt. Hinzu kommt, dass die GZRA gefangen genommene Einheiten recyceln können, was euch am Ende einer Mission zusätzliche Ressourcen zur Verfügung stellt.

Teil 2 zeichnet sich zudem dadurch aus, dass ihr im Verlauf der Kampagnen immer wieder mit Multiple-Choice-Situationen konfrontiert werdet, welche die Geschichte in unterschiedliche Richtungen lenken. Ausserdem können erfahrene Einheiten Veteranenstatus erlangen, wodurch sie in Gefechten besser ausweichen und in der Lage sind, mehr Schaden einzustecken. Die hexagonal aufgebauten Schlachtfelder sind in der Fortsetzung etwas grösser, und sogar der Bau von Raumstationen mit bis zu 30 Komponenten ist nun möglich.
Weniger schön: Die über Ad-hoc-WLAN realisierten Mehrspielermodi beider Hauptteile haben es leider nicht in die Umsetzung geschafft. Schade, denn diese Spielvarianten hätten sich durchaus in Form eines Online-Modus adaptieren lassen und die Langzeitmotivation zusätzlich aufgewertet.