Ready or Not (Konsole) - Test / Review

Eine Sekunde zwischen Chaos und Ordnung

Test Video Joel Kogler Roger Sieber getestet auf Xbox Series X/S

Für viele Fans von taktischen Ego-Shootern dürfte "Ready or Not" bereits ein Begriff sein. Das 2021 im Early Access erschienene PC-Spiel überzeugte mit einer sehr intensiven Atmosphäre und einzigartigem Gameplay, das sich an Klassikern wie "Rainbow Six" und "SWAT" orientiert. Allerdings machte "Ready or Not" auch negative Schlagzeilen auf eine ganz besondere Art: Denn gerade aus Amerika wurden Stimmen laut, die in Frage stellten, wie realistisch ein Shooter sein muss und darf.

Nach der Version 1.0 im Dezember 2023 kommt der Shooter jetzt auch auf die aktuellen Konsolen.

Eine Stadt am Abgrund

Die Handlung von "Ready or Not" ist in der fiktiven kalifornischen Metropole Los Sueños angesiedelt, einer düsteren Version von Los Angeles, die unter einem extremen sozialen und wirtschaftlichen Niedergang leidet. In den 2020er-Jahren hat dies zu einem massiven Anstieg von Gewaltverbrechen und Extremismus geführt, der die Stadt ins Chaos stürzt. In diesem Pulverfass schlüpfen die Spieler in die Rolle von Commander David "Judge" Beaumont, dem Leiter des D-Platoons, einer SWAT-Einheit des Los Sueños Police Department (LSPD).

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Statt einer linearen Kampagne entfaltet sich die Geschichte über 18 Missionen, die auf den ersten Blick nicht zusammenhängend wirken, aber im Verlauf ein komplexes Netz aus Korruption, Gewalt und menschlicher Verzweiflung aufdecken. Jeder Einsatz ist ein Puzzleteil, das das Gesamtbild einer gescheiterten Gesellschaft zeichnet.

Erzählt wird diese Geschichte hauptsächlich indirekt. Zu Beginn jeder Mission gibt es ein kurzes Briefing zum Tatort und den Verdächtigen, was etwas Kontext bietet. Wer jedoch in den Missionen aufpasst und sich die sehr detaillierten Levels oder Umgebungen genau anschaut, merkt, dass Aufträge oftmals ineinander übergehen und die tatsächliche Handlung im Hintergrund immer weiter erzählt wird. Ein gutes Beispiel ist hier die zweite Mission, wo wir einen Online-Streamer dingfest machen sollen, der eine Geisel genommen hat. Oberflächlich handelt es sich hier um ein klassisches "Swatting", also einen Trolling-Versuch mit tödlichen Konsequenzen. Im Apartment angekommen, werden wir allerdings plötzlich von mehreren Bewaffneten Gangstern überrascht. Es stellt sich heraus, dass der Streamer tatsächlich Teil einer kriminellen Organisation war, die wir dann in den nächsten Missionen Stück für Stück weiterverfolgen.

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An der Oberfläche lässt sich die Mission aber auch einfach auf das Gameplay reduzieren: Wir gehen rein, nehmen jeden fest, der bewaffnet ist, und sichern das Hauptziel, also den Streamer. Dadurch, dass die Geschichte komplett optional ist, steht sie einem erneuten Durchspielen der Levels, beispielsweise auf höherem Schwierigkeitsgrad oder um eine bessere Wertung zu erhaltenm nicht im Weg. Trotzdem bietet sie für Spieler, die sich einen minimalen Kontext wünschen, genug, um die narrativen Fäden in ein Gesamtbild zu verflechten.

Taktik, Anspannung und die Last der Verantwortung

Das Herzstück von "Ready or Not" ist sein unerbittlich realistisches Gameplay. Es ist ein taktischer Shooter, bei dem voreiliges Handeln fast immer tödlich endet. Sowohl Spieler als auch Gegner halten nur wenige Treffer aus, was eine sorgfältige Planung, langsame Bewegungen und eine ständige Kommunikation mit dem Team unabdingbar macht. Wer hier ein schnelles Action-Feuerwerk im Stil von "Call of Duty" erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Das Spieltempo ist methodisch, unterbrochen von plötzlichen explosiven Gewaltausbrüchen. Es ist nicht selten, dass wir uns über Minuten hinweg langsam durch einen Tatort bewegen, immer auf der Hut, um nicht von einer Falle oder einem versteckten Schurken überrascht zu werden.

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Als Leiter einer SWAT-Einheit liegt der Fokus nicht auf der Eliminierung aller Gegner, sondern auf der Sicherung der Situation und der Rettung von Leben. Das Spiel ermutigt nachdrücklich dazu, Verdächtige lebend festzunehmen. Dafür steht ein breites Arsenal an weniger tödlichen Waffen zur Verfügung, darunter Taser, Pfefferspray, Blendgranaten und Beanbag-Schrotflinten. Die höchste Bewertung (S-Rang) für eine Mission erhält man nur, wenn alle Verdächtigen und Zivilisten unverletzt festgenommen werden - eine enorme Herausforderung, die ein präzises Vorgehen und den klugen Einsatz von Ausrüstung erfordert.

Die Spieler können ihr Team (bestehend aus KI-Kollegen - oder menschlichen Mitspielern im Koop-Modus) mit detaillierten Befehlen steuern. Von der Anweisung, eine Tür aufzusprengen und den Raum mit Blendgranaten zu sichern, bis hin zum Befehl, einen bestimmten Bereich zu decken, sind die taktischen Möglichkeiten vielfältig. Das Befehlsmenü ist kontextsensitiv und ermöglicht eine granulare Kontrolle über das Vorgehen des Teams.

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