Reigns: The Witcher - Test / Review

Wischt euch durch die Welt von Hexer Geralt

Test Video olaf.bleich getestet auf PC

Mit "Reigns: The Witcher" trifft minimalistisches Entscheidungsspiel auf düstere Hexer-Fantasy. Das klingt nach einer perfekten Mischung - aber hält das Crossover auch spielerisch, was die Idee verspricht?

Als Nerial im Jahr 2016 das erste "Reigns" veröffentlichte, wirkte das Konzept zunächst wie ein cleverer Gag für zwischendurch. Ein paar Karten und Entscheidungen, ein bisschen schwarzer Humor, fertig. Doch aus der simplen Wischerei entwickelte sich schnell ein erstaunlich langlebiges Format.

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Die Mischung aus Entscheidungsdrama, bissigem Ton und elegantem Minimalismus traf einen Nerv, speziell im Mobile-Sektor. Nach dem Abstecher in die Welt von Westeros und einer "Game of Thrones"-Adaption folgt nun der nächste prominente Gastauftritt: das Universum von "The Witcher".

Die Kooperation mit CD Projekt RED wirkt auf dem Papier wie ein Selbstläufer. Schliesslich lebt die Hexer-Reihe seit jeher von moralischen Grauzonen, bitteren Konsequenzen und Figuren mit scharfer Zunge. Alles Zutaten, die hervorragend zum "Reigns"-Gameplay passen. Die gute Nachricht vorweg: Dieses Crossover versteht erstaunlich gut, warum beide Marken funktionieren.

Ein Lied auf den Hexer

Eine der cleversten Entscheidungen des Spiels ist die erzählerische Perspektive. Ihr spielt nämlich nicht direkt Geralt von Riva. Stattdessen führt euch der Barde Rittersporn durch das Geschehen, der aus euren Entscheidungen munter Balladen über den berühmten Hexer zusammenstrickt. Das ist nicht nur thematisch stimmig, sondern gibt den Autoren auch reichlich Spielraum für Humor und Übertreibung. Grundsätzlich bleibt die bekannte "Reigns"-Formel unangetastet. In der Bildschirmmitte erscheint Karte um Karte, die ihr nach links oder rechts wischt. Jede Wahl beeinflusst vier Statuswerte. Im "Witcher"-Ableger drehen sie sich vor allem um Geralts Beziehungen zu Menschen, Nichtmenschen und Magiern sowie um seinen Monsterjäger-Ruf. Gerät einer dieser Balken aus dem Gleichgewicht - egal ob zu voll oder zu leer -, ist Geralts Schicksal besiegelt.

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Und wie man es von der Reihe kennt, nimmt das Spiel den Tod seines Helden mit erfreulich wenig Ehrfurcht. Der Hexer wird geröstet, vergiftet, erstochen, in eine Fliege verwandelt oder anderweitig aus dem Leben befördert. Das Ganze wird oft von trockenem Spott begleitet. Dieser makabre Humor gehört nach wie vor zu den grossen Stärken der Reihe und funktioniert auch im "Witcher"-Gewand ausgezeichnet. Ein besonderes Lob verdient die deutsche Lokalisierung. Da die Präsentation stark textbasiert ist, trägt die Übersetzung enorm zur Wirkung bei. Wortspiele, Seitenhiebe und kleine Insider sitzen auffallend sicher. Hier wurde sichtbar mehr als reine Pflichtarbeit abgeliefert.

Vertraut, aber nicht ganz bequem

Wer frühere "Reigns"-Teile kennt, findet sich sofort zurecht. Die Einstiegshürde ist minimal, die Steuerung bleibt herrlich intuitiv. Links wischen, rechts wischen, fertig! Gleichzeitig versucht "Reigns: The Witcher", das bekannte Grundgerüst etwas aufzubrechen. Die grösste Neuerung sind die eingeschobenen Kampfsequenzen.

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In diesen Momenten springt Geralt am unteren Bildschirmrand auf einem Spielbrett von links nach rechts, während von oben Symbole herabfallen. Per Tastendruck oder Klick wechselt ihr die Richtung, aktiviert Angriffe oder sammelt Tränke ein. Timing und ein kurzer Blick voraus entscheiden darüber, ob der Hexer elegant durch die Gegner pflügt oder unsanft einsteckt.

Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: etwas mehr Taktik, etwas mehr Abwechslung. In der Praxis fühlen sich die Kämpfe jedoch häufig wie ein Fremdkörper an. Sie sind nicht schlecht, unterbrechen aber den ansonsten so eleganten Entscheidungsfluss. Gerade wenn man tief in den Kartenstrudel eingesogen wurde, wirken die Einlagen eher wie eine Pflichtübung. Als Pluspunkt ist hier allerdings auch der Wiedererkennungswert zu nennen. Denn natürlich nehmt ihr es mit Monstern und Feinden aus dem "Witcher"-Universum auf.

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