Replaced - Test / Review

Die Wunder der künstlichen Intelligenz

Test Video Fabrice Henz getestet auf PC

"Replaced" ist eines dieser Spiele, von denen wir seit Jahren immer wieder hören. Ursprünglich wurde es an der E3 2021 mit einem Release für 2022 angekündigt. Seitdem wurde der Titel mehrmals verschoben, unter anderem weil die Entwickler von Sad Cat Studios nach Zypern umziehen mussten.

Doch jetzt ist es endlich so weit! Das erzählerische 2,5D-Abenteuer erscheint für Xbox und PC, auf dem wir uns "Replaced" schon ansehen durften.

R.E.A.C.H.

Warren Marsh ist ein Wissenschaftler, der für die Phoenix Corporation arbeitet. Eines seiner Werke ist R.E.A.C.H.: eine künstliche Intelligenz, mit der er zusammenarbeitet, um die Bürger von Phoenix City im Auge zu behalten. Nachdem die Vereinigten Staaten ihr eigenes Land mit nuklearen Waffen verwüsteten, haben Korporationen wie Phoenix die Kontrolle übernommen. Die reiche Elite lebt in der Stadt, die von einer riesigen, fast undurchdringlichen Wand nach aussen hin abgegrenzt ist. Ausserhalb der Mauern leben die sogenannten Disposables: All jene, die nicht wertvoll genug sind, um in der Stadt zu leben. Doch damit nicht genug, denn einer der Jobs von Warren und R.E.A.C.H. ist es, alle Disposables nach dem Wert ihrer Körperteile und Organe zu organisieren. Braucht jemand aus der Stadt ein neues Ersatzteil, wird es von den Disposables geholt. Ein Unfall im Labor ändert das Leben von Warren jedoch schlagartig. Die von ihm erschaffene Intelligenz wird in seinem Körper gefangen und muss die Kontrolle übernehmen, um die beiden wieder voneinander zu trennen. Aus unerklärlichen Gründen von der Polizei gejagt, verschlägt es die beiden auf die andere Seite der Mauer, wo sie mit der Hilfe der dort lebenden Menschen wieder nach Phoenix City zurückkehren müssen.

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Die Geschichte von "Replaced" (und wie sie erzählt wird) gehört sicher zu den stärksten Elementen des Spiels. Diese alternative Realität von Amerika in den 1980ern, in der alles anders ist, als wir es kennen, ist unglaublich spannend. Im Mittelpunkt steht der Protagonist Reach (so nennt sich die künstliche Intelligenz nach der Übernahme) und wie er lernt, was es heisst, ein Mensch zu sein, was die Phoenix Corporation mit den Menschen macht und was der Zweck der Intelligenz eigentlich ist. Parallelen zu Filmen wie "Blade Runner" sind dabei ganz offensichtlich, und dennoch schafft es "Replaced" zum grössten Teil, eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, weil der Spieler die Rolle von Reach übernimmt.

Der Rest der Spielwelt ist dabei ebenso fantastisch. Der Look und Sound des Games tragen einen grossen Beitrag dazu bei, dass man sich in "Replaced" verlieren kann. Es sieht toll aus und hört sich noch besser an, weshalb die Welt trotz des Cyberpunk-Themas authentisch daherkommt. Äusserst hilfreich dabei sind auch die vielen Sammelobjekte, die man finden kann und die in Form von Tagebucheinträgen, Zeitungsausschnitten oder sonstigen Texten daherkommen. Wer beispielsweise mehr darüber herausfinden will, wie Richard Nixon zu einer Megacorp wie Phoenix gestanden hätte, kommt nicht darum herum, die Levels genau abzusuchen. Es wäre schön gewesen, wenn mehr dieser Nebeninformationen einen grösseren Teil in der Hauptgeschichte gespielt hätten, denn die vielen Texte kommen etwas trocken herüber und können einen aus dem Fluss des Spiels nehmen, wenn man immer und immer wieder etwas lesen muss. Wer sich aber nur auf die Geschichte an sich konzentrieren will, kann auf diese Weise all die Texte überspringen.

Wenn Batman eine Knarre hätte

Gespielt wird aus einer 2D-Perspektive, auch wenn man sich gelegentlich in den Vorder- oder Hintergrund bewegen muss, um weiterzukommen. Der Fokus liegt dabei auf Kämpfen und Platforming. Das Kampfsystem erinnert stark an die "Batman"-Spiele von Rocksteady, in denen man alle vier Buttons des Controllers für verschiedene Moves braucht. Mit X wird geschlagen, mit A ausgewichen, mit B Panzerung durchbrochen und mit Y gekontert. Der Vergleich zu Batman endet aber noch nicht. Erscheint über dem Kopf eines Gegners ein gelbes Symbol, kann gekontert werden. Kommt hingegen ein rotes Symbol, muss ausgewichen werden. Gepanzerte Gegner oder solche, die Schilde mit sich tragen, müssen zuerst mit dem Panzerbrecher getroffen werden, bevor Schaden gemacht werden kann. Wenig überraschend ist das ein tolles System, das auch in nur zwei Dimensionen funktioniert.

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Im Spielverlauf erhält man zusätzliche Angriffe und Manöver, welche die Kämpfe noch abwechslungsreicher machen. Die Hauptwaffe von Reach kann zwischen Schlagstock und Pistole transformiert werden. Haut man genug auf die Widersacher ein, kann man einen Schuss ausführen, der massiven Schaden zufügt und die meisten normalen Feinde direkt erledigt. Die Pistole erhält ausserdem die Funktion, feindlichen Beschuss zu reflektieren, wenn man im richtigen Moment die Schultertaste betätigt. Gepaart mit herrlich geschmeidigen Animationen, ergeben sich oft Gefechte, die nicht nur toll aussehen, sondern sich auch so anfühlen. Nur manchmal zeigen sich die Grenzen der zweiten Dimension in den Kämpfen. Steht man einer grossen Gruppe von Gegnern gegenüber, die auf einen schiessen, Konterangriffe starten oder Granaten werfen, kann man immer wieder einfach gar nichts machen. Man kann nicht auf alle Attacken reagieren und endet wohl oder übel in einer Schadenskette, gegen die man nichts ausrichten kann. Ein gegnerischer Nahkampfangriff hindert einen daran, einen Schuss zu reflektieren, was einen zu lange betäubt, um eine Ausweichrolle zu machen, und innert einer Sekunde verliert man mehr als die Hälfte der eigenen Gesundheit, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Das kommt zwar nicht allzu oft vor, allerdings immer noch häufig genug, dass es sehr frustrierend werden kann.

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