Wisst ihr noch, was ihr vor mehr als zehn Jahren gemacht habt? Das Team Lunar Studio hat zum Beispiel im Jahr 2012 sein Erstlingswerk "Routine" für einen Release im darauffolgenden Jahr angekündigt. Erst jetzt, 13 Jahre und eine komplexe Entwicklungszeit später, ist das Spiel endlich erschienen. Es bietet ein Horror-Erlebnis aus der Ego-Perspektive und schickt uns auf eine scheinbar verlassene Mondbasis, auf der Rätsel gelöst sowie tödliche Roboter umgangen werden müssen und es herauszufinden gilt, was eigentlich passiert ist.
Dein Freund und Helfer
Als namenloser Protagonist wird man auf den Mond geschickt, um das Computersystem eines Resorts zu überprüfen. Dazu gehört zuerst eine siebentägige Isolationszeit, die man in einem kleinen, abgeschotteten Raum verbringt. Als der Techniker aufwacht, findet er die gesamte Station jedoch fast komplett verlassen vor. Die Technik läuft in vielen Bereichen nur noch minimal, und von anderen Menschen sind lediglich digitale oder blutige Spuren zu finden. Sukzessiv müssen die Systeme wiederhergestellt werden, um Zugang zu weiteren Bereichen zu erhalten und herauszufinden, was wirklich passiert ist. Wieso sind alle Unterstützungsroboter der Basis plötzlich aggressiv und versuchen einen zu töten? Was hat es mit einer mysteriösen Krankheit auf sich, die sich jemand auf einer Patrouille an der Oberfläche einfing? Sind wir wirklich allein? Oder sind es doch nur Wahnvorstellungen, die die Leute im Union Plaza verfolgten?

Gespielt wird "Routine" aus der First-Person-Ansicht, aus der man das Ferienresort Union Plaza auf dem Mond und umliegende Gebiete durchquert. Schon ab der ersten Spielsekunde ist klar, dass Lunar Studio ein unglaublich atmosphärisches Spiel geschaffen hat. Ganz anders als in den meisten Games aus der Ego-Perspektive steuert sich der Protagonist eher langsam und ungelenkig. Das kurze Tutorial erklärt einem, wie man sich um Ecken lehnen oder unter und auf Objekte schauen kann, um dort versteckte Objekte oder Hinweise zu finden. Ausserdem erhält man schon in den ersten Minuten das Kosmonauten-Hilfswerkzeug (KHW), das gleichzeitig als Waffe und als Werkzeug zur Lösung von Rätseln genutzt wird. Es fühlt sich dabei wie ein echtes Objekt an. Man kann es vor sich halten und mit all seinen Schaltern und Knöpfen interagieren. Will man beispielsweise auf den Scanner des Geräts schalten, drückt man nicht nur einen Knopf auf dem Pad oder der Tastatur. Stattdessen hält man es in seinen virtuellen Händen und muss mit einem Cursor die richtigen Knöpfe drücken, was meist unproblematisch ist, in Stresssituationen jedoch den Stress umso grösser macht.
Finde den nächsten Code
Ebenso kann das Spiel nie pausiert werden. Einerseits ist das natürlich wie immer schade, doch in Sachen Atmosphäre hilft es, selbige nur noch erdrückender zu machen. Sie ist nämlich auf jeden Fall das stärkste Element von "Routine". Die Mondbasis ist in einem retrofuturistischen Look gehalten, der den Titel optisch einzigartig macht. Kombiniert mit dem langsameren Bewegungstempo und den Objekten wie dem KHW oder Türschaltern, mit denen man direkt interagieren muss, fühlt man sich schon nach wenigen Minuten sehr oft verwundbar. Denn schon nach kurzer Spielzeit trifft man auf die Type-05-Roboter, die eigentlich zur Unterstützung der Menschen in Union Plaza geschaffen wurden. Jetzt sind sie tödliche Jäger, die einen beim ersten Sichtkontakt verfolgen. Man kann sie zwar mit Schüssen aus dem Tool für einen kurzen Moment ausschalten, doch in kürzester Zeit sind sie wieder hochgefahren und jagen einen wieder. Eine Tür mit einem Schalter zu öffnen oder eine Nachricht auf einem Terminal zu lesen, lässt einen dadurch immer zittern.

Das ist auch bitter nötig, denn ansonsten ist das Gameplay eher relativ schwach auf der Brust. In der Regel geht es meistens darum, den Weg zum nächsten Ort zu finden und herauszufinden, wie man die verschlossenen Türen, die den Weg versperren, öffnen kann. Es wird später noch ein wenig ausgefuchster, doch die erste Zeit in "Routine" verbringt man damit, Codes zu finden, mit denen man weiterkommen kann. Sie sind in E-Mails enthalten, die man in Wohnquartieren findet, auf einem Ausweis, der an der eigenen Brust klemmt, oder müssen per Überwachungskamera in der Spielwelt gefunden bzw. per KHW sichtbar gemacht werden. Von Vorteil ist dabei, dass man kaum an die Hand genommen wird. Das Game versetzt einen in die Haut des Protagonisten und lässt einen selbst herausfinden, was zu tun ist. Es gibt keine Wegpunkte, kein Questlog und keine Dokumente, in denen die wichtigen Informationen mit Leuchtstift hervorgehoben werden. Informationen, die man bereits gefunden hat, kann man zwar an Terminals noch mal lesen, und es gibt dort auch eine Liste mit Aufgaben. Doch alles ist direkt in die Spielwelt eingebunden. Ungünstig ist die Steuerung auf diesen Terminals mit einem Controller. Schaut man sie sich an, steuert man einen Cursor auf dem Schirm und muss damit oft sehr kleine virtuelle Tasten anklicken. Was mit einer Maus wahrscheinlich absolut problemlos geht, wird auf dem Controller, besonders in stressigen Situationen, sehr schnell anstrengend.

