"Scott Pilgrim" vom kanadischen Autor und Künstler Bryan Lee O'Malley ist ein Nerd-Klassiker schlechthin. Schon vor dem Film mit Michael Cera in der titelgebenden Rolle haben die Geschichte und der Zeichenstil viele Fans auf der ganzen Welt gefunden. Die Marke hatte auch in anderen Medien Erfolg, unter anderem dem 2014er-Brawler "Scott Pilgrim vs. The World: The Game", der vor einigen Jahren mit einer Complete Edition neu aufgelegt wurde.
Scotts nächstes Kapitel von Schöpfer Lee O'Malley wurde in Zusammenarbeit mit den "Marvel Cosmic Invasion"-Entwicklern Tribute Games in das Spiel "Scott Pilgrim EX" gepackt, das wir uns selbstverständlich für euch schon ausführlich angeschaut haben!
Wo sind nur die Sex Bob-Ombs?!?

Die Geschichte von "Scott Pilgrim EX" spielt nach den Ereignissen der animierten Serie "Scott Pilgrim Takes Off" und stammt wie gewohnt aus der Hand des Comicbook-Künstlers Bryan Lee O'Malley. Im Jahr 20XX (Ja, kein Tippfehler) wurde Toronto von drei fiesen Banden übernommen. Die Veganer, die Roboter und die Dämonen haben aber nicht nur die Stadt unter ihrer Kontrolle, sondern jemand hat auch alle Mitglieder der Band Sex Bob-Ombs entführt und ihre Instrumente geklaut. Als wäre das noch nicht genug, wurde das ganze Raum- und Zeitgefüge in der Stadt über den Haufen geworfen. Es liegt jetzt an Scott, Ramona und ihren verbeibenden Verbündeten, aufzuräumen, ihre Freunde zu retten und wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
Alles in allem ist die Geschichte an sich nicht allzu aussergewöhnlich oder spannend. Sie dient dazu, unsere Helden von Ort zu Ort zu schicken, und die Manipulation der Zeit sorgt für coole Momente, in denen man beispielsweise in die Steinzeit zurückreist, um sich dort mit einem riesigen Dino zu prügeln. Gut geschrieben ist das Spiel dennoch auf jeden Fall, und besonders die Gespräche mit mehr oder weniger bekannten Figuren des Comics und der Serie sorgen immer wieder für ein Schmunzeln.
Prügeln, bis die Finger bluten

Wie schon bei "Scott Pilgrim vs. The World: The Game" geht es auch dieses Mal auf einen actionorientierten 2D-Trip, in dem man Wellen an Gegnern mit allen möglichen Mitteln verprügelt. Zur Auswahl stehen von Anfang an sieben verschiedene Charaktere, die alle ihren eigenen Kampfstil und individuelle Moves mitbringen. Natürlich gehören sowohl Scott Pilgrim als auch Ramona Flowers zu den spielbaren Figuren. Doch auch ehemalige Bösewichte wie Matthew Patel oder Lucas Lee bringen ihre kämpferischen Talente mit an Bord. Es ist wahrlich eine Freude, ihre verschiedenen Move-Sets zu lernen und im Kampf auszuprobieren, denn sie fühlen sich spielerisch wirklich unterschiedlich an. Scott tritt beispielsweise als Allrounder an, während Lucas auf Wrestling-Moves setzt und dadurch zwar weniger beweglich, aber umso stärker ist.

Neben etlichen Nahkampfattacken, Kombos, Würfen und Abwehrmanövern sind die Arenen selbst jedoch auch ein wichtiger Teil von allen Kämpfen. Oft sind sie nämlich bis an den Rand voll mit Items, die von euch und euren Feinden eingesetzt werden können, um für noch mehr Schaden zu sorgen. Diese Gegenstände reichen von simplen Waffen wie Baseballschlägern und Stangen bis zu vernichtenden magischen Zeptern und Bomben. Die Abwechslung bei den Gefechten ist also auf jeden Fall gegeben, obschon das Geschehen auf dem Bildschirm sehr schnell arg unübersichtlich wird. Bis zu vier Spieler gleichzeitig (online oder lokal), Gegenstände, die explodieren oder andere Effekte haben, und bis zu einem Dutzend Gegner samt Boss sind sehr viel, was man gleichzeitig im Blick behalten muss. Besonders die erwähnten Bosse sind allerdings enorm unterhaltsam und erfordern gleichzeitig Fingergeschick sowie eine ordentliche Prise Taktik.

In "Scott Pilgrim EX" wird jedoch nicht nur geprügelt, sondern auch gelevelt. Wie in einem Rollenspiel sammelt man fürs Besiegen von Gegnern Erfahrungspunkte, die automatisch für bessere Werte in Sachen Gesundheit, Geschwindigkeit oder Stärke sorgen. Für das Erledigen von Bossen gibt es ausserdem zusätzliche permanente Verbesserungen der eigenen Werte, und mit dem Geld, das man nebenbei immer sammelt, kann man sich Gegenstände kaufen, die verschiedene Werte erhöhen. Jeder Charakter hat mehrere Slots, die entweder passive Verbesserungen bringen oder bestimmte Aktionen verändern. Mit den sieben Charakteren und einer grossen Anzahl an tragbaren Gegenständen ist also viel Abwechslung geboten, auch wenn ein einzelner Durchgang der Geschichte in wenigen Stunden abgeschlossen werden kann.
Musik zum Abtanzen
Wie es sich für ein "Scott Pilgrim"-Abenteuer gehört, ist die Musik absolut hörenswert. Wie schon beim ersten Spiel ist die Band Anamanaguchi wieder verantwortlich für einen brillanten Soundtrack, der irgendwo zwischen Rock-Hymnen und 8-Bit-Gedudel angesiedelt ist. Die Musik passt nicht nur zum Spiel, sondern lässt sich auch sonst gut hören.

Es gibt aber nicht nur etwas auf die Ohren, denn auch visuell kann "Scott Pilgrim EX" überzeugen. Der moderne Pixellook sieht toll aus und wurde mit viel Liebe umgesetzt. Seien es bekannte oder neue Charaktere, Kampfanimationen oder die Welt in und um Toronto: Das Ganze sieht fantastisch aus. Es gibt an allen Ecken und Enden tolle Details zu entdecken, und es ist eine wahre Freude, neue Gebiete mit neuen Stilen zu erkunden.
Fazit
Für Fans des Genres oder von "Scott Pilgrim" ist "Scott Pilgrim EX" eigentlich ein Muss. Es hört sich fantastisch an, sieht umwerfend aus und spielt sich zum grössten Teil absolut exzellent. Dank einer grossen Auswahl an Charakteren und Ausrüstung bis zum Abwinken ist der Wiederspielwert enorm, egal ob für Einzel- oder Mehrspieler. Leider kann bei den vielen Kämpfen oft der Überblick schnell komplett flöten gehen, was das Feeling dann doch ein wenig schmälert. Die Geschichte ist zudem nicht allzu interessant, obschon die Figuren an sich schön und vor allem witzig geschrieben sind.

