Das Jahr war bislang nicht unbedingt arm an virtuellen Lebenssimulationen. Auf Anhieb fallen einem da sicher "Pokopia" oder "Tomodachi Life" ein, die mit ihren kinderfreundlichen, bunten Welten eine chillige und unterhaltsame Atmosphäre verströmen. Wer es aber ernster, anspruchsvoller und vor allem deutlich komplexer will, sollte sich "Seed" vormerken, wie wir auf einem Preview-Event in Berlin feststellen konnten.
Enorme Komplexität
So ein bisschen läuft "Seed" unter dem Radar, dabei ist das Spiel gar kein Frischling im Sinne von Entwicklungszeit, denn die ersten Schritte mit einem Prototyp unternahm Entwickler Klang Games bereits vor zehn Jahren. Doch das ambitionierte Projekt erwies sich zum damaligen Zeitpunkt als noch nicht umsetzbar, die zugrunde liegende Technologie - darunter auch künstliche Intelligenz als einer der Stützpfeiler - war einfach noch nicht ausgereift genug. Doch spätestens mit der zunehmenden Verbreitung der grossen Sprachmodelle in den letzten Jahren nahm "Seed" immer konkretere Gestalt an: eine persistente Online-Welt mit Survival-Aspekten, in der Spieler nicht einfach nur Ressourcen sammeln, Gebäude errichten und Quests abarbeiten. Stattdessen entsteht eine simulierte Gesellschaft aus Inseln, Siedlungen und natürlich Spielerfiguren, den sogenannten Seedlings.

Im Vergleich zu den vorgenannten farbenfrohen Konkurrenzprodukten kommt "Seed" zunächst etwas sperrig und grafisch eher dröge und blass daher. Aber die Zielgruppe ist sicher auch eine ganz andere, denn hier geht es tatsächlich um eine komplexe Simulation, die sich bis ins extreme Detail damit beschäftigt, wie man eine menschliche Zivilisation von Grund auf neu strukturiert, aufbaut und verwaltet. Dabei fängt alles relativ simpel an: Nach der etwas oberflächlichen Erstellung einer eigenen Spielfigur suchen wir auf einem Planeten einen geeigneten Ort für die zukünftige Siedlung. Dabei müssen wir darauf achten, dass möglichst viele der Ressourcen-Werte im positiven Bereich der Anzeige sind, damit ein leichterer Start gelingt.

Nachdem unser Seedling aus dem Landepod aussteigt, beginnt die Arbeit für ihn und den Spieler natürlich erst so richtig. Dabei gilt es schon von Beginn an, viel zu bedenken, obwohl es auch irgendwie vertraut ist: erst mal dafür sorgen, dass das Überleben gesichert ist, also muss man Holz hacken, ein Lagerfeuer bereitstellen, Zelte zum Schlafen und Ausruhen aufbauen. Im Grunde also: Gebäude errichten, Ressourcen sammeln, erste Infrastruktur schaffen. So gibt es in der Nähe zwar Wasserquellen, doch dabei handelt es sich um krankmachendes Brackwasser - das heisst, wir brauchen eine Wasserfilterstation. Um sie bauen zu können, benötigt die Minisiedlung entsprechende Werkzeuge, Rohstoffe usw. Es baut also alles aufeinander auf - doch diese Überlebensgrundlagen sind tatsächlich nur die Spitze des Eisbergs, denn hinter "Seed" verbirgt sich noch ein unglaublich grösserer Teil an strategischen Elementen, die alle gleichzeitig ablaufen - und teilweise mit der oben angesprochenen künstlichen Intelligenz als tragender Säule.
