Mehr als zehn Jahre nach dem letzten Serienteil kehrt SEGAs legendäre Ninja-Reihe auf PC und Konsole zurück. Wir konnten den Action-Platformer mit Serienurgestein Joe Musashi in der Hauptrolle bereits für euch zocken und uns dabei sowohl von den visuellen als auch von den spielerischen Qualitäten überzeugen.
Ninja Joe Musashi feierte bereits im Jahr 1987 sein Debüt in den Spielhallen und ist damit beinahe so alt wie der Autor dieser Zeilen. In "Shinobi: Art of Vengeance" kehrt er nun, mehr als 20 Jahre nach seinem letzten Auftritt, auf die virtuellen Bretter, die die Welt bedeuten, zurück. Verantwortlich dafür ist, gemeinsam mit einem internen Studio von SEGA, das französische Studio Lizardcube, das vor wenigen Jahren mit "Streets of Rage 4" - mindestens was die grandiose Grafik betrifft - zeigte, was es auf dem Kasten hat. Der neue Teil der legendären "Shinobi"-Reihe glänzt aber nicht bloss audiovisuell, sondern lässt als klassischer 2D-Action-Platformer auch spielerisch ordentlich die Muskeln spielen.
Allein gegen das Böse
Eigentlich hätte Joe Musashi seine Jika-tabi wohl längst an den Nagel gehängt und mit seiner Familie ein beschauliches Leben geführt. Dummerweise versucht eine militärische Organisation unter Führung des bösen Lord Ruse, die Weltherrschaft an sich zu reissen, und beginnt seine Operation, wie sollte es auch anders sein, in Joes Heimatdorf. Am Ende steht es in Flammen, und praktisch alle Bewohner sind zu Stein erstarrt. Deshalb zieht ihr mit Katana und Kunai in die Welt hinaus, um den Schurken das Handwerk zu legen.

In diesem 2D-Action-Platformer erlebt ihr das alles ganz klassisch aus einer Seitenperspektive, führt hochpräzise Schwerthiebe und Kombos, Doppelsprünge und Dashes aus, stets begleitet von satten Soundeffekten und einem fetzigen Soundtrack. Letzterer erinnert auf denkbar angenehmste Weise an SEGAs Automatenklassiker, der im Jahr 1987 den Grundstein für die "Shinobi"-Reihe legte. "Art of Vengeance" bietet das Ganze nun jedoch mit glasklarem Sound und einfach wunderschöner Zeichengrafik in nativem 4K, bei der Entwickler Lizardcube sogar noch eine deutliche Steigerung im Vergleich zu seinem Hit "Streets of Rage 4" gelingt.
Die Story selbst bleibt dennoch vernachlässigbar, obgleich sämtliche Dialoge hochwertig auf Japanisch und Englisch vertont wurden - inklusive Joes Brummlaut, mit dem er Zustimmung oder Ablehnung gleichermassen auf seine ganz eigene Art signalisiert. Denn redefreudig ist der Ninja nicht, sondern lässt lieber Taten sprechen. Und die haben es zweifellos in sich!
Abwechslungsreiche Stages
Das Spiel besteht aus zwölf regulären Stages, die ihr zwar nicht in komplett beliebiger Reihenfolge angehen könnt, aber zwischendrin durchaus mal die Wahl zwischen zweien oder dreien erhaltet. Dabei geht es in futuristischen Levels wie Neo City, natürlich inklusive SEGA-Leuchtreklame, genauso wie auf einem fahrenden Zug, in unterirdischen Forschungskomplexen, einer U-Boot-Basis oder einem Wüstenabschnitt zur Sache. Ein bisschen künstlich wirkt diese Vielfalt zwar schon, doch sie bringt Abwechslung, weshalb wir uns darüber mal nicht beklagen möchten.

Zusätzlich zu diesen zwölf Stages, die ihr zwingend für den Story-Abschluss bewältigen müsst, existieren ein paar Bonusabschnitte mit selbstscrollenden Verfolgungssequenzen, in denen ihr auf einem weissen Wolf reitet oder auf einem improvisierten Surfbrett über das Wasser jagt. Mit Sprüngen und Dashes weicht ihr dabei Hindernissen aus und nutzt Kunais und Schwert, um Gegner auszuschalten. Nebenher könnt ihr raue Mengen Gold einsammeln, das ihr später beim Händler in Verbesserungen umsetzen könnt. Gelingt euch der Abschluss der Bonusstage, erhaltet ihr eine festgelegte Belohnung, etwa ein Plus für die maximalen TP. Packt ihr die Sequenzen nicht, ist das aber auch nicht dramatisch, denn dann geht es ohne die Belohnung auch so weiter.
Die Stages selbst verlaufen wie besagter Abschnitt auf dem fahrenden Zug oder auch einer mit Fischmarkt und Hafen teils recht linear, wobei es auch dort nur indirekt zugängliche Räume und andere Areale gibt, in denen ihr Boni in Form von Gold oder Münzen findet. Prinzipiell optional sind zudem Kampf-Challenges gegen Elite-Gegner, die ihr an den entsprechenden Orten manuell auslösen müsst. Drei gibt es pro Stage, bei Wolf und Surfbrett natürlich nicht. Findet und schafft ihr alle drei, erhaltet ihr eine bestimmte permanente Verbesserung etwa der TP oder der maximal mitführbaren Kunais, was euch das Leben im späteren Verlauf selbstredend etwas leichter macht.

Andere Abschnitt wie Neo City sind hingegen weitläufiger, und die sich sukzessiv vervollständigende Karte erinnert entfernt an die aus einem Metroidvania. Eure Kernaufgabe, in Neo City ist es das Retten drei entführter Kinder, könnt ihr dort im Prinzip in beliebiger Reihenfolge angehen. Wenn Joe den Bildschirmtod erleidet, werdet ihr zum letzten Checkpoint zurückgesetzt. Diese in erster Linie Heilobelisken, zwischen denen ihr innerhalb der Stages auch schnellreisen könnt, sind allgemein ziemlich fair gesetzt. Unmittelbar vor einem Boss gibt es hier immer einen. Bereits erzielte Fortschritte gehen indes beim Pixeltod nicht verloren. Habt ihr also etwa bereits einen Schalter umgelegt, der eine Falle deaktiviert oder ein Durchgangstor öffnet, schliesst sich selbiges dann nicht mehr. Lediglich die Feinde spawnen neu, was aber auch bei der Schnellreise geschieht, die euch dafür wiederum heilt. Grössere Arenaschlachten müsst ihr indes auch nicht wiederholen, wenn ihr sie einmal geschafft habt. Die sind, genauso wie die Bosse, die einzigen Szenen im Spiel, in denen ihr nicht (theoretisch!) einfach an den Widersachern vorbeilaufen könntet.
