Der Name einer Sportart und das englische Wort Story sind seit mehreren Jahren eine beliebte Kombination, um ein Videospiel zu benennen. Rollenspiele, Pixel-Look, ein Story-Anhang kann alles und gar nichts bedeuten. Das aktuellste Beispiel ist "Skate Story" von Sam Eng, in dem man als Dämon durch die Unterwelt skatet und Monde isst, um auf diese Weise endlich zur Ruhe zu kommen.
Das klingt merkwürdig und ist in Wirklichkeit sogar noch merkwürdiger, funktioniert aber wunderbar!
Ein Dämon aus Schmerz und Glas
In der Unterwelt scheint der Mond sehr hell, wodurch die Bewohner kaum zum Schlafen kommen. Aus diesem Grund schliesst ein Dämon einen Pakt mit einem ihrer Herrscher, um den Mond zu verschlingen. Dafür erhält er ein Skateboard, mit dem er sich auf den Weg zum Mond macht. Unterwegs trifft er auf viele andere Kreaturen der Unterwelt wie Rabbie, den hilfreichen Hasen, einen sprechenden Abfallkübel, der mehr stinken will als alle anderen, und weitere skurrile Wesen, die Hilfe brauchen. Nach dem ersten Mond stellt sich jedoch heraus, dass es noch weitere Monde gibt, die gefressen werden müssen, und somit macht sich der Dämon auf die lange Reise durch die verschiedenen Ebenen der Emptylands, um sie alle zu finden.

Die Geschichte von "Skate Story" ist simpel und verdient sich den Namen der Story auch. Man reist wortwörtlich durch die verschiedenen Ebenen der Unterwelt, hilft seinen Bewohnern mit ihren alltäglichen Problemen, lernt neue Tricks und kümmert sich um alle Monde. Begleitet wird dies durch viele philosophische Gespräche, Gedichte zum Abschluss der Kapitel und auch sonst viel Tiefe. Wenn wir ganz ehrlich sind, haben wir selber nicht alles verstanden, was uns “Skate Story” sagen wollte. Weiter schlimm ist das aber gar nicht, denn ob das Spiel nun sehr viel zu sagen hat oder nicht: Die Stimmung ist makellos. Die Mischung aus Geschichte, Dialogen und allen Überlegungen zum Sein verleihen dem Titel eine unglaubliche Atmosphäre, die durch Gameplay und Musik nur noch weiter verstärkt wird. Manchmal ist es vielleicht zu bizarr, doch unterm Strich steht es zu allem, was es ist und präsentiert. Wer schlicht und einfach nur skaten will, für den ist es möglicherweise nicht das richtige Game, denn das Skaten steht nicht allein im Mittelpunkt.
Auf der Reise mit Manuals, Grinds und Tricks
Auch wenn die Präsentation und Stimmung von "Skate Story" ziemlich abgefahren sind, ist es im Kern trotzdem ein authentisches und gut gemachtes Skate-Spiel. Es ist dabei in mehrere unterschiedliche Gameplay-Sequenzen eingeteilt, die aber schlussendlich alle darauf abzielen, schnell unterwegs zu sein und möglichst viele Tricks zu machen. Man die verschiedenen Ebenen der Unterwelt, spricht mit den Bewohnern, sammelt Gegenstände, die sie wollen, und kauft sich in Shops neue Decks oder Räder für das eigene Skateboard.

Um von Ort zu Ort zu kommen, steht entweder die skurrilste U-Bahn, die es je gegeben hat, zur Verfügung oder das Skateboard. Dabei muss aufgepasst werden, nicht mit Objekten und Gefahren zu kollidieren. Als Dämon aus Glas braucht es nicht viel, bis man in tausende Splitter explodiert. Es ist dabei jedoch immer wichtig, mit einem hohen Tempo zu skaten, denn es gibt Barrieren, die nur ab einem gewissen Tempo durchbrochen werden können. Um andere Portale durchqueren zu können, ist ein gut getimter Trick nötig.
In einem Spiel, in dem man die meiste Zeit auf dem Board unterwegs ist, dürfen auch Herausforderungen nicht fehlen, in denen man Tricks machen muss. Auf der Reise durch die Emptylands lernt man beständig neue Tricks, mit denen man sein Repertoire immer weiter ausbaut. Dabei setzt "Skate Story" trotz seiner abgefahrenen Prämisse auf ein authentisches Erlebnis. Besonders im späteren Spielverlauf vollführt man zwar regelmässig Tricks der höchsten Klasse, doch das Feeling bleibt zum grössten Teil geerdet. Tricks nutzt man entweder in Skateparks, in denen man möglichst viele Punkte verdienen muss, oder in Arenen, in denen man gegen Bosse antritt, die man mit Kombos und grossen Punktzahlen verwunden kann.

Ob man nun Puzzles löst, um neue Gebiete freizuschalten, gegen den Blutmond antritt, um ihn genug zu schwächen, damit er gefressen werden kann, oder über enge, verwinkelte Strecken rast: Das Gameplay fühlt sich exzellent an. Die Steuerung braucht allerdings einiges an Eingewöhnungszeit. Es gibt viele Tricks, die man im richtigen Moment ausführen muss, und wer kaum Erfahrung mit dem Genre hat, könnte schnell überfordert sein. Wenn man dann aber mit vollem Speed durch Barrieren rast und zwischendurch über Rails grindet, fühlt sich das richtig gut an. Wer jedoch an sich mit der Geschichte schon Probleme hatte, wird immer wieder Momente haben, in denen man Gespräche mit Tiefgang führt, während man eigentlich nur zum Gameplay zurückwill.
