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Spacebase Startopia - Test / Review

Humorvolle Aufbaustrategie im All

Test Video Joel Kogler getestet auf Xbox One

Wer den Gaming-Trends der letzten Jahren einigermassen folgt, den wird es kaum überraschen, dass sich hinter dem Early-Access-Titel "Spacebase Startopia" eigentlich ein Remake eines 2001 erschienenen Spiels verbirgt. Offiziell gibt es zwar weder beim Entwickler noch im Marketing eine Verbindung zum früheren "Startopia", das Gameplay selbst hat sich aber in den letzten 20 Jahren kaum verändert.

Jetzt ist der Titel nach langer Arbeit fertig und erscheint auf allen gängigen Plattformen. Während seiner Early-Access-Phase hatte er noch mit allerlei Mängeln und Kinderkrankheiten zu kämpfen. Ob das Endprodukt jetzt dem Original gerecht wird, erfahrt ihr in unserem Test.

Popkultur statt Inhalt

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Der Ton, den "Spacebase Startopia" anstrebt, wird gleich im Intro klar. Die künstliche Intelligenz der Raumstation, die ihr betreuen sollt, führt euch durch euren zukünftigen Arbeitsplatz. Mit dabei sind allerlei eher flache Witze und popkulturelle Anspielungen. So ist etwa das erste, was ihr vom Spiel hört, eine Parodie der berühmten "Cyberpunk"-Vorstellung mit Keanu Reeves. Originell geht anders, und es zünden bei Weitem nicht alle Gags. Aber für das eine oder andere Schmunzeln ist der Humor des Spiels trotzdem gut. Die künstliche Intelligenz ist auch ganz eindeutig von "Portal" inspiriert und liebt es zu sticheln und darüber zu reden, wie ihr kaum besser als ein Müllroboter performt. Etwas schade ist es da schon, dass es neben diesen Dialogzeilen, die euch durchs Tutorial und die Missionen begleiten, nicht wirklich einen tieferen Kontext für euer Handeln gibt. Realmforge hat bereits mit seiner "Dungeons"-Serie bewiesen, dass ein spassiges Aufbauspiel eine Geschichte erzählen kann.

Komplexe Steuerung, einfaches Spiel?

Wer, besonders in der Konsolenfassung von "Spacebase Startopia", einen einigermassen gelungenen Einstieg haben will, sollte beim Tutorial starten. In mehr als einer Stunde Spielzeit werdet ihr in die Grundlagen der verschiedenen Systeme und die sehr komplexe Steuerung eingeführt. Das ist auch dringend nötig, denn im direkten Vergleich mit anderen Aufbauspielen kann "Spacebase Startopia" schon etwas verwirren. Das liegt hauptsächlich am besonderen Aufbau eurer Raumbasis. Die ist nämlich in drei verschiedene Unterdecks aufgeteilt, die jeweils ihre eigenen Funktionen, Einheiten und Gebäude mit sich bringen. Jedes Unterdeck kann dabei allerdings auch erweitert werden, denn gerade zu Beginn einer Partie ist der Platz auf eurer Basis stark beschränkt. Das Sub-Deck trägt die grösste Verantwortung: Hier werden der Güter produziert, neue Aliens empfangen und Müll recycelt. Das alles geht aber natürlich auf Dauer ganz schön ins Geld. Daher müsst ihr auch das Unterhaltungs-Deck ausbauen, wo ihr Hotels, Wellness-Oasen und Discos für eure Besucher baut - nicht nur, um die Zufriedenheit zu erhöhen, sondern auch, um ordentlich Credits einzukassieren. Manchmal brauchen eure Besucher allerdings Ruhe vom hektischen Gewusel des Sub-Decks und den Neon-Träumen des Unterhaltungs-Decks. Hier kommt das Bio-Deck ins Spiel, das ganz detailliert mit verschiedenen Biotopen angepasst werden kann, sodass sich jeder Anwohner wie zu Hause fühlt. Das Bio-Deck ist ausserdem verantwortlich für die Produktion von Rohmaterialien wie Sauerstoff, die ihr zum Erhalt der anderen Decks dringend benötigt. Alle drei Untergebiete sind also für eine erfolgreiche Basis gleichermassen wichtig und bieten nahezu immer etwas zu tun.

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Später im Spiel geht es dann sogar noch über die komplexe Aufbaustrategie hinaus, wenn wir in relativ simplen Echtzeitkämpfen Ganoven, Gauner und Saboteure aus unserer Basis vertreiben müssen. Das Tutorial war bereits im Early Access einer der Hauptpunkte, der von Spielern bemängelt wurde, und leider macht die fertige Fassung das nicht viel besser. Anstatt die Systeme organisch mit spezifischen Herausforderungen beizubringen, wie es nachher im Karrieremodus sogar gemacht wird, werden Spieler im Tutorial mit Informationen und Möglichkeiten regelrecht ertränkt. Recht schnell stellt das Hirn ab, und man folgt zwar noch den Anweisungen auf dem Bildschirm, versteht aber nicht wirklich, warum und wie die Systeme ineinandergreifen, da das Spiel sehr viel selbst übernimmt. Unser Tipp wäre daher, das Tutorial kurz anzuschauen, um die Grundzüge zu verstehen, dann aber in ein erstelltes, freies Spiel zu wechseln, um das Gelernte auch wirklich praktisch anzuwenden.

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