Vielschichtiges Kampfsystem mit Schönheitsfehlern
Wenn sich die Charaktere nicht gerade miteinander unterhalten, um ihre Verbindungen untereinander zu stärken, stehen sie Velvet auf dem Schlachtfeld zur Seite. Das Echtzeit-Kampfsystem von "Tales of Berseria Remastered" ist überaus komplex und führt innerhalb weniger Spielstunden viele unterschiedliche, miteinander verzahnte Systeme ein.

Velvet und ihre Kumpanen können normale Angriffe einsetzen, ausweichen, blocken, Gegner scannen und mächtige Spezialattacken entfesseln. Hinzu kommen weitere Facetten wie Abwehrdurchbrüche oder auch Elementarschwächen. Gerade für Genreneulinge dürfte diese Menge an Informationen anfangs etwas überfordernd sein. Im weiteren Spielverlauf gingen uns all diese Aktionen jedoch angenehm intuitiv von der Hand.
Eine besondere Rolle in den Kämpfen spielen des Weiteren, wie bereits beim im Januar 2015 veröffentlichten Quasi-Vorgänger "Tales of Zestiria", die Seelen, die als blaue Symbole sowohl über Velvets Lebensenergie als auch über der ihrer Feinde zu sehen sind. Je mehr Seelen ihr habt, desto stärker sind eure Attacken. Habt ihr eure Seelen hingegen aufgebracht, sind eure Angriffe deutlich schwächer und einfacher zu blocken.
Es ist eine zusätzliche Facette, die eine weitere taktische Note in die Scharmützel bringt. Noch mehr Tiefe erhält dies durch den Umstand, dass ihr eure Seelen sowohl auffüllen als auch opfern könnt. Bringt ihr einen Gegner erfolgreich ins Taumeln, erhaltet ihr eine Seele. Entfesselt ihr eine durchschlagskräftige Spezialattacke, schenkt ihr eurem Widersacher eine. Im Übrigen gibt es Aktionen, die aufgebrauchte Seelen ignorieren und eure "Kombos" erweitern.

Neben der Story ist das Kampfsystem, das im späteren Spielverlauf noch um einige zusätzliche Kniffe erweitert wird (etwa um die die gesamte Kampfarena verwüstenden Breaker), die grösste Stärke von "Tales of Berseria Remastered": Es spielt sich nach einer gewissen Eingewöhnungszeit wunderbar intuitiv und bietet gleichzeitig aufgrund seines angenehm vielschichtigen Seelensystems eine grosse spielerische Tiefe.
Allerdings haben die Kämpfe für uns dennoch, abgesehen von der für Einsteiger etwas überfordernden Informationsfülle, einen entscheidenden Makel, der uns während der Testphase einiges an Nerven gekostet hat: Die Action ist überaus unübersichtlich, insbesondere wenn mehrere Charaktere ihre Spezialattacken zünden. Inmitten der Schadenspunkte, Figuren und Effekte geht die Übersicht leider gern mal unter.
Interessante Spielwelt trifft auf langweilige Dungeons
Abseits der Action gibt es selbstverständlich ebenfalls einiges zu tun. Ihr könnt euch in kleinen Dörfern, grossen Städten und an weiteren Stationen eurer Reise mit verschiedenen Charakteren unterhalten, um so mehr über die Spielwelt zu erfahren. Näheres darüber herauszufinden, wie diese düstere Fantasy-Welt funktioniert, hat uns richtig gut gefallen.

Darüber hinaus erkundet ihr mit Velvet und ihren Mitstreitern verschiedene Dungeons, und hier kommt das Action-RPG immer wieder ins Straucheln. Viele dieser Gewölbe sehen nämlich schlichtweg langweilig aus und sind hinsichtlich ihres Aufbaus langweilig gestaltet.
Hier reihen sich schlauchartige, gleich aussehende Korridore immer wieder aneinander - mal in dunklen Höhlen, mal in alten Ruinen. Diese Abschnitte verkommen schnell zu einer nervigen Routine. Hinzu kommen mitunter einige sich wiederholende, quälend lange Fusswege.
Einige optionale Nebenaktivitäten gibt es in "Tales of Berseria Remastered" ebenfalls, die kurzzeitig für etwas Abwechslung sorgen. Ihr könnt zum Beispiel sogenannte Katz-Seelen einsammeln, die überall in der Spielwelt herumliegen. Opfert ihr sie an speziellen Truhen, erhaltet ihr kleine kosmetische Belohnungen, etwa Brillen. Oder ihr macht Jagd auf besonders mächtige Monster. Schaltet ihr sie aus, winken spezielle Boni.

Somit bietet das Action-RPG einige Aktivitäten, mit denen ihr euch abseits der Story die Zeit vertreiben könnt. Sogar euer eigenes Piratenschiff dürft ihr auf Entdeckungstour schicken, wenn auch nur offscreen. Über einen guten Genrestandard kommt das Game bei seinem Side-Content jedoch nicht heraus und segelt somit in eher sicheren Gewässern.