The 9th Charnel - Test / Review

Grusel auf dem Papier, Langeweile am Controller

Test Video olaf.bleich getestet auf PlayStation 5

Atmosphäre und psychologischer Horror sollen in "The 9th Charnel" für Gänsehaut sorgen. Ob das Indie-Projekt wirklich Angst erzeugt oder an seinen eigenen Ambitionen scheitert, klärt der ausführliche Test.

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Horror und First-Person-Perspektive: Das gehört inzwischen zusammen wie Capcom und "Resident Evil". Doch nicht nur das Grusel-Urgestein setzt seit "Resident Evil VII Biohazard" auf die Ich-Perspektive, auch Produktionen wie "Alien: Isolation", "Outlast" oder "Amnesia: The Dark Descent" erzählen ihre Horror-Storys aus der Ego-Ansicht. Kein Wunder, ist man doch so direkt im Geschehen und erlebt den Schrecken unmittelbar, statt nur über die Schulter des eigenen Hauptcharakters.

"The 9th Charnel" stammt aus der Feder des indischen Solo-Entwicklers Saikat Deb und nahm sich offenbar ein Vorbild an den genannten Titeln. Allerdings erreicht es zu keinem Zeitpunkt deren Qualität. Was nämlich als spannender Horror-Trip beginnt, wird in "The 9th Charnel" schnell zur bitteren Enttäuschung.

Traditionelle Horrorkost?

"The 9th Charnel" erzählt im Kern eine klassische Horror-Geschichte: Nach einem Autounfall erwacht Mike irgendwo im Nirgendwo und muss nicht nur um sein Überleben und das seiner Familie kämpfen, sondern sieht sich auch noch mit schaurigen Kultisten konfrontiert. Vieles dreht sich hier also darum, was in der merkwürdigen Anlage geschehen ist und wie wir sie wieder verlassen können.

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Im Verlauf gibt es immer wieder Rückblenden, die die Hintergründe ein wenig beleuchten. Das Entdecken der Geschichte ist sicherlich ein Teil der Motivation, auch wenn die Erzählstruktur aufgrund wechselnder Figuren recht verwirrend daherkommt.

Eine grosse Schwäche zeigt sich bereits früh: die Darstellung von Gesichtern und Menschen. Selten zuvor haben wir derart groteske Charaktermodelle und Animationen wie in "The 9th Charnel" gesehen - von der teils merkwürdig verzerrten Sprachausgabe mal ganz abgesehen. Die Zwischensequenzen leiden massiv unter der furchtbaren Charakterdarstellung, wodurch jegliche Identifikation mit den Figuren absolut unmöglich ist.

In der Ruhe liegt ein wenig Kraft

In seinen besten Momenten kreiert "The 9th Charnel" eine durchaus dichte Atmosphäre. Obschon die Schauplätze extrem statisch und wenig detailliert sind, wartet das Abenteuer dennoch mit einigen schönen Details auf. Als wir beispielsweise durch eine heruntergekommene Schule schleichen, tauchen immer wieder wie aus dem Nichts bedrohliche Schatten vor den Fenstern oder auch in den Räumlichkeiten auf. In Verbindung mit der pulsierenden und durchaus intensiven Soundkulisse entsteht so eine gewisse Spannung.

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"The 9th Charnel" lässt es insgesamt eher langsam angehen und scheucht einen nicht von einem Schockmoment zum nächsten. Vielmehr erzeugt es ein Gefühl der Unsicherheit und lässt euch über weite Strecken die Areale Stück für Stück entdecken. Allerdings werden sich an dieser Konzeptentscheidung die Geister scheiden: Denn während wir den langsamen Grusel durchaus schätzen, passiert über weite Strecken viel zu wenig.

Wie bereits erwähnt, ist die Umgebung ungemein statisch. Nur wenige Elemente sind interaktiv: Bestimmte Objekte könnt ihr hochheben und untersuchen. Die wenigsten allerdings liefern nennenswerte Informationen. Das Kern-Gameplay besteht in der Regel daraus, Areale nach Schlüsseln oder Schaltern abzusuchen, um damit eine zuvor blockierte Tür zu öffnen. Das Problem: Das Forschen nach Schlüsseln oder Gegenständen ist wenig aufregend und wiederholt sich bereits in der ersten Spielstunde zu oft. Die Rätsel erweisen sich bisweilen als undurchsichtig und unnötig aufwendig.

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