The 9th Charnel - Test / Review

Grusel auf dem Papier, Langeweile am Controller

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Doch während Technik- und Gameplay-Schwächen zugunsten der Atmosphäre bei einer kleinen Produktion wie "The 9th Charnel" vielleicht noch verzeihbar sind, zerstören gerade die an "Outlast" oder auch "Resident Evil Village" angelehnten Action- und Schleichszenen sämtliche Immersion und Spannung. Über weite Strecken des Spiels seid ihr schutzlos und werdet von Gruselgestalten verfolgt. Sie marodieren zunächst durch die Levels und jagen euch, sobald sie euch entdecken.

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Zunächst mangelt es "The 9th Charnel" an klaren Indikatoren, wie wir überhaupt die Monster auf uns aufmerksam machen. Mit lauten Geräuschen? Mit unserer Taschenlampe? Durch unsere schiere Präsenz? Wir konnten es selbst bei der x-ten Begegnung nicht einschätzen.

Da wir ja zunächst über keinerlei Waffen verfügen, müssen wir uns verstecken. Und zu diesem Zweck klettern wir unter Betten, in Schränke oder in Tonnen. Das nächste Problem: Im Versteck selbst können wir uns nicht mehr bewegen. Wir blicken also starr nach vorn und können nicht beobachten, wo sich das Biest hinbewegt. Wir sind also zur absolut langweiligen Untätigkeit verdammt.

Verstecken spielen

Das ist aber nicht so tragisch, schliesslich sind die Ungeheuer zu dumm, um uns aus dem Versteck zu ziehen. Selbst wenn wir vor ihren Augen in einen Schrank springen, lassen sie sofort von einem ab. Das wiederum zerstört jegliche Intensität innerhalb des Katz-und-Maus-Spiels.

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Im Übrigen gibt es teils sogenannte Safe-Rooms, an deren Schwelle die Bestien ohne jedwede Begründung stehen bleiben und umkehren. Die Gegner-KI ist einfach eine Frechheit und zerstört schnell jegliche Atmosphäre. Daran ändert sich auch nichts, wenn wir später Waffen finden und mit der ohnehin schon schwammigen Steuerung auf die Biester ballern dürfen.

Zu den KI-Problemen gesellen sich Technikschwächen: Die Monster bewegen sich hüftsteif, bleiben gern mal an Objekten hängen und rutschen eher Treppen herunter, als dass sie sie hinabsteigen. An einer Stelle im Test mussten wir sogar das Spiel beenden und neu laden, weil unser Gegenüber in einem Türrahmen stecken blieb und wir den Raum dadurch nicht mehr verlassen konnten. Kurzum: Hier passt enorm viel nicht zusammen, und diese Designfehler kosten einige Punkte und vor allem mächtig Spielspass.

Fazit

Wer bei "The 9th Charnel" auf ein neues "Outlast" oder gar auf einen netten Appetizer vor "Resident Evil Requiem" gehofft hat, wird leider bitter enttäuscht. Denn das Grusel-Abenteuer entpuppt sich als technische Katastrophe, die auch spielerisch viel zu wenig zu bieten hat. In seinen ruhigen Momenten ist "The 9th Charnel" dabei durchaus spannend. Gerade die Soundkulisse in Verbindung mit den stereotypen, aber dennoch schaurigen Schauplätzen ist ordentlich. Blöderweise zieht der Rest des Games das Horrorkonzept nach unten: Die Charaktermodelle und Animationen sind bisweilen geradezu lächerlich, das absurd dumme Verhalten der Monster zerstört jegliches Gefühl der Bedrohung. Ruckler und Technikprobleme runden somit einen ambitionierten, aber gescheiterten Reinfall ab. Wenn ihr First-Person-Horror sucht, spielt einen der "Outlast"- oder früheren "Resident Evil"-Teile oder kramt mal wieder "Alien: Isolation" hervor.

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