Team Asano auf den Pfaden klassischer "Zelda"-Spiele: Entsteht daraus ein neues Franchise nach dem Muster von "Octopath Traveler"? Oder wurden der HD-2D-Grafikstil und der dahinterstehende Retro-Gedanke überstrapaziert? Wir haben "The Adventures of Elliot" getestet.

Na also, geht doch! Unsere Sorgen hinsichtlich Story und Motivation, die wir noch in unserer Preview zu "The Adventures of Elliot" geäussert haben, erweisen sich letztlich als unbegründet. Die Reise durch das mit "Biestlingen" verseuchte Königreich Huther ist auch eine Reise durch die Zeit. Ein Bösewicht namens Kaifried treibt sich nämlich in der Vergangenheit herum, um den Lauf der Geschichte zu ändern und - wie könnte es anders sein - die Macht an sich zu reissen. Da hat er die Rechnung aber ohne den schnittigen, mit rotem Hut und Schal gestylten Recken Elliot gemacht, der überall dort einspringt, wo Hilfe nötig ist - notfalls auch, um die Schürfwunde eines Halbwüchsigen mit Kakteenfruchtfleisch zu verarzten oder Katzen einzufangen. Überhaupt scheint irgendjemand bei Team Asano in die Fellnasen vernarrt zu sein, denn sie sind im Spiel allgegenwärtig. Und ehrlich, wir wären wirklich die Allerletzten, die sich darüber beklagen. Jedenfalls ist Elliot ein Held, wie er im Buche steht. Vollständig ist er jedoch - auch hier schliessen wir uns gern an - nur mit weiblicher Begleitung. Die heftet sich im Diesseits zunächst in Gestalt der magisch begabten Königstochter Heuria an seine Fersen. Später, also in der Vergangenheit, flattert uns Fee Faie über den Weg, die wahlweise von einem Mitspieler übernommen werden kann.

Elliot kann sieben Waffentypen wie Schwert, Bogen, Lanze, einen schweren Hammer und einiges mehr bei sich tragen. Alle Waffen funktionieren sehr unterschiedlich und bringen so Abwechslung sowie taktische Würze ins Spiel. Ihr könnt zwei Waffen gleichzeitig ausrüsten und je nach Bedarf zwischen ihnen wechseln. Das muss man glücklicherweise nicht immer mühsam über das Menü machen. Stattdessen ruft ihr über die rechte Schultertaste ein Auswahlrad auf, um eure Ausrüstung zu ändern oder Items wie Heiltränke zu benutzen. So richtig flott geht das aber nicht von der Hand, sodass man oft froh ist, dass die Kampfhandlungen währenddessen eingefroren werden. Es gibt Schilde zum Blocken und Parieren sowie Bomben, um Wege freizusprengen, geheime Durchgänge zu öffnen oder sich besonders zäher Gegner zu entledigen. Frei nach dem Motto: "Wo eine Bombe ist, da ist auch ein Weg." Das Inventar bleibt dabei jedoch immer überschaubar, sodass man sich nie mit der Entscheidung quälen muss, was man bei sich trägt und was man lieber zurücklässt. Die Wahl der Waffen sollte man davon abhängig machen, welche Gegnertypen man vor sich hat. Die sind nämlich ebenfalls erfrischend vielfältig, und jeder von ihnen hat seine spezifischen Schwächen und Tücken.

Nicht ohne meine Fee
Begleiterin Faie verfügt ebenfalls über diverse Skills, um Elliot zu unterstützen. Ihr steuert sie mit dem rechten Stick. Sie kann unter anderem Feinde angreifen, die für Elliot nur schwer erreichbar sind, sie kann Feuer fangen, um Fackeln zu entzünden, und über Abgründe hinwegschweben, um Elliot per Warp nachfolgen lassen. Da verzeiht man ihr auch, dass einem die (englische) durchweg euphorische Stimme auf Dauer durch Mark und Bein und bisweilen auch ganz schön auf den Sender geht. Faies Mechaniken sind nämlich oft der Schlüssel, um weiter- oder an Schätze heranzukommen. Das erinnert insgesamt schon sehr an den dauerpräsenten Elefanten im Raum, der in diesem Fall auf den Namen Zelda hört. Kopfzerbrechen bereiten solche Rätsel in aller Regel nicht, öfter aber sind Geschicklichkeit und noch viel mehr Orientierungssinn gefragt. Tatsächlich erweisen sich viele der oft mehrstöckigen Labyrinthe als, äh, ziemlich labyrinthisch, und in einem Fall haben wir uns tatsächlich absichtlich von einer Schnecke töten lassen, weil wir den Ausgang nicht mehr gefunden haben. Nein, wir sind nicht stolz darauf.

Um "The Adventures of Elliot" zu einem waschechten JRPG zu machen, fehlt jetzt eigentlich nur noch ein Stufensystem. Dessen Grundlage sind sogenannte Maginite, die sich unterwegs finden oder von besiegten Feinden hinterlassen werden. Aus den eingesammelten Maginit-Splittern generiert man mittels eines von einer Katze (!) umklammerten Glaszylinders (ja, bitte fragt UNS nicht!) komplette Maginite, die Elliots Waffen mit Boni ausstatten, beispielsweise den Bumerang länger fliegen lassen oder dafür sorgen, dass die Pfeile kritische Treffer verursachen, solange man mindestens noch zehn davon im Köcher hat. Da man immer nur eine begrenzte Anzahl an Maginiten pro Waffe aktivieren kann, kann man bei der Auswahl durchaus ins Grübeln kommen. Wenn euch das zu mühsam ist, könnt ihr das auch Faies Expertise überlassen. Seid ihr unzufrieden mit eurem Arsenal, zerschreddert ihr die Maginite wieder zu Splittern und fangt noch mal von vorn an.