The Chant - Test / Review

Urlaub auf der Horror-Insel

Test Video Joel Kogler getestet auf Xbox Series X/S

Neue Stärken, alte Schwächen

"The Chant" setzt auf einen interessanten Mix aus Erzählung und Gameplay und erinnert dabei eher an Spiele wie "Alan Wake" als an Horrorklassiker wie "Resident Evil". Ihr reist durch sechs sehr unterschiedliche Gebiete auf der Insel und befreit dort jeweils ein Kultmitglied von dessen inneren (und äusseren) Dämonen. Der Ablauf ist dabei leider sehr linear, da viele Areale der Insel mit farbigen Wänden blockiert sind, die ihr nur mit dem passenden Gegenstand passieren könnt. Die Geschichte rund um den Kult und die dahinterliegende Forschung an der mysteriösen Gloom-Dimension sind gelungen und sehr spannend, während die Storys der einzelnen Kultmitglieder eher klischeehaft ausfallen. Bei uns kam während des Spielens nur wenig Empathie für die Probleme der Spielfiguren auf.

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Spielerisch wirkt "The Chant" trotz Rollenspiel-Elementen etwas unausgereift. Die drei verschiedenen Waffentypen spielen sich grundsätzlich identisch und unterscheiden sich nur im Schaden, den sie gegen verschiedene Gegner austeilen. Die Prisma-Fähigkeiten sind da deutlich abwechslungsreicher, dank hoher Geistkosten aber auch nur sehr limitiert verfügbar. So kam es, dass wir in unserem Durchlauf häufig vor Feinden flohen - nicht nur, um Ressourcen zu sparen, sondern auch, um lästige Kämpfe zu umgehen. Besonders schade ist obendrein, dass echte Herausforderung nur im Kämpfen besteht und die Gebiete ansonsten recht linear aufgebaut sind. Rätsel im klassischen Sinn gibt es keine, auch wenn wir oft Schlüssel oder andere Gegenstände suchen müssen, um weiterzukommen.

Technisch solide in der letzten Generation

Auf der Xbox präsentiert sich "The Chant" als echtes Current-Gen-Spiel, das nur auf der Series S und X verfügbar ist. Trotzdem macht das Game optisch nicht den Eindruck, dass die verbesserte Hardware gerechtfertigt ist. Zwar sind die Umgebungen detailliert, und gerade gewisse Schatten- und Nebeleffekte können sich sehen lassen, doch sind die Animationen und Modelle der Charaktere nicht besonders überzeugend.

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Viel positiver als die visuelle Präsentation fällt die Vertonung aus, denn die Sprachausgabe ist sehr gut umgesetzt und sorgt in bestimmten Passagen für eine wohlige Gruselstimmung. Auch die Musik fiel uns positiv auf. Zwar gibt es in ruhigeren Passagen nur wenig Untermalung, tauchen wir aber in die Dimension des Gloom ein, dann erinnert die Musik an den 1970er-Synth-Soundtrack von Shows wie "Stranger Things".

Fazit

"The Chant" hat einige interessante Ideen, schafft es aber nicht, deren volles Potenzial auszuschöpfen. Es gibt zwar eine interessante, theoretisch frei begehbare Insel, der Weg durch die Handlung wird aber linear vorgegeben. Die Rollenspiel-Elemente sind spannend und ermutigen, Kämpfe zu bestreiten und optionale Dokumente zu sammeln. Die Fähigkeiten, die ihr damit freischaltet, wirken sich allerdings kaum spürbar auf euer Spiel-Erlebnis aus. Die Geschichte ist in eine sehr spannende Hintergrundgeschichte rund um die Insel und vergangene Experimente und das persönliche Drama sehr flacher und klischeehafter Charaktere geteilt. Trotz seiner Fehler bietet "The Chant" genügend Neues, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen und eine Empfehlung zu rechtfertigen. Besonders gespannt sind wir auch auf etwaige zukünftige Projekte von Brass Token.

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