The Eternal Life of Goldman - Vorschau / Preview

Echte Handarbeit, grosse Namen und jede Menge Spielspass

Vorschau Video Steffen Haubner

Diese Frage werden wir wohl künftig öfter beantworten müssen: Wollen wir maschinengenerierte Spielwelten und Charaktere von der Stange? Oder wollen wir von Menschenhand geschaffene spielbare Kunstwerke? "The Eternal Life of Goldman" liefert da ein klares Statement, und schon die Pressemitteilung unterstreicht, dass bei keinem Element des kommenden 2D-Platformers KI zum Einsatz gekommen sei. "Na und?", mag man meinen, "Hauptsache, es macht Spass, oder?" Wer so denkt, übersieht, dass sich in vielen Bereichen der Games-Welt generische, austauschbare Inhalte breitgemacht haben, die schleichend das eliminieren, was den Spielspass zu einem nicht geringen Anteil ausmacht: ein menschlicher Blick auf die gegenständliche Welt, eine lebendige Interpretation der Wirklichkeit, keine aus mathematischen Wahrscheinlichkeiten und zusammengestohlenen Versatzstücken bestehende Kopie der Kopie der Kopie.

Nun waren 2D-Metrovanias schon immer eine Spielwiese für versponnene Ideen und künstlerische Ambitionen. Ob catchy und herausfordernd wie "Hollow Knight: Silksong" oder abgründig und schräg wie "Carrion" mit seiner pixeligen Retrokante: Die Liste der besten Genrevertreter wäre sehr lang und sähe wohl bei jedem von uns vollkommen anders aus. "The Eternal Life of Goldman", das kürzlich im Rahmen von Nintendos "Not Switch 2 Direct" vorgestellt wurde, reiht sich hier ein mit einer kunstvoll heruntergekommenen, karibisch anmutenden Fantasy-Inselwelt. Doch bevor hier zu viel Idylle aufkommen kann, sucht eine Brandkatastrophe den Dschungel auf einer der Inseln heim, der auch gerade an einem Dorffest teilnehmende Kinder zum Opfer fallen. Gleich zu Anfang wird so ein dunkler Kontrast zu der farbenfrohen Umgebung gesetzt, der neugierig darauf macht, wie die Geschichte weitergeht.

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Jetzt wirds brenzlig! Dank seinem Stock entkommt Goldman dem Inferno.

Eine bildgewaltige Ode an die Vergänglichkeit

Die Handlung erleben wir aus der Perspektive des titelgebenden Goldman. Und was soll man sagen, alte Männer sieht man ja auch nicht allzu oft als Videospielhelden. Im Kontext mit dem Titel und dem, was man von dem Game bereits sehen konnte, scheint es tatsächlich um Vergänglichkeit von Menschen und den Welten, die sie bevölkern, zu gehen. Altersgerecht ist Goldman mit einem Stock bewaffnet, der es allerdings in sich hat. Denn unterwegs findet man immer wieder neue Bauteile, mit denen sich die Einsatzmöglichkeiten der Gehhilfe erweitern lassen: ein Haken zum Einhängen in Ringe oder einen gefederten Schaft, der Goldman höher springen lässt. Je nach Situation ist es erforderlich, den Stock umzurüsten. So vermeidet man tückische Zacken in einer Gewölbedecke, indem man den Schaft wieder durch die ungefederte Version ersetzt. Ein bereits veröffentlichter Trailer legt zudem nahe, dass der alte Herr auch ganz gut bei Stimme ist und damit verheerende Flächenangriffe ausführen an.

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Hinter den bunten Kulissen der Inselwelt lauern diverse Gefahren

Das alles wäre natürlich nichts ohne das passende Gameplay und Leveldesign. Auch hier lässt das in Limassol, Zypern, ansässige Studio Weappy nichts anbrennen - sorry für das angesichts des Spieleinstiegs etwas pietätlose Wortspiel -, und auch mit Inseln kennt man sich naturgemäss aus. In den vergangenen rund zehn Jahren hat das kleine Indie-Team ein paar narrativ starke und stilistisch markante Titel herausgehauen und sich damit bei Liebhabern origineller Game-Konzepte einen guten Ruf erworben. Der eine oder andere von euch könnte etwa "This Is the Police" kennen, ein düsteres zweiteiliges Strategie-Rollenspiel. Dort geht es um einen Polizeichef, der versucht, bis zu seinem Ruhestand genug Geld anzuhäufen, während er sich mit Korruption und Kriminalität herumschlägt. Und auch hier sind Grafik und Gameplay ziemlich eigenwillig. Das gilt ebenso für das Spin-off "Rebel Cops", das den Fokus komplett auf rundenbasierte Taktikkämpfe legt, oder das neue Projekt "Hollywood Animal", bei dem man sich um den Aufbau und das Management eines Filmstudios in der goldenen Ära Hollywoods kümmert - Intrigen und skrupellose Geschäftspraktiken inklusive. Offensichtlich haben die Entwickler keine Probleme damit, ihre stets leicht ironisch angelegten Szenarios mit düsteren, gar grimmigen Tönen anzureichern.

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Knobeln unter Zeitdruck: Welche Gehhilfe ist hier gefragt?

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