The Night of the Rabbit - Test / Review

Zehn Jahre hat Daedalics Adventure für den Weg auf die Switch gebraucht. Wie gut ist es gealtert?

Test Video Steffen Haubner getestet auf Nintendo Switch

Point-&-Click-Adventures sind ein altehrwürdiges Genre, um das sich Daedalic besonders verdient gemacht hat. Grosse Bekanntheit erreichten die Hamburger unter anderem mit "Edna bricht aus" (2008) und der "Deponia"-Reihe (ab 2012). Beide sparten nicht mit abseitigem, mitunter sogar schwarzem Humor. Aber auch ernste Thematiken liess man nicht aus, etwa mit dem Klimadrama "A New Beginning" (2010). "The Night of the Rabbit" schlug 2013 einen eher märchenhaften Ton an und traf damit, den damaligen Kritiken und dem Verkaufserfolg nach zu urteilen, einen Nerv. Das veranlasste den Publisher, das Spiel gut zehn Jahre nach dem Erst-Release nun auch für die Switch zu veröffentlichen. Beim ursprünglichen Game agierte Daedalic selbst noch als Entwickler. Die künstlerische Leitung hatte damals Matt Kempke inne, der sich die zugrunde liegenden Geschichten auch ausgedacht hat.

So gesehen ist "The Night of the Rabbit" also ein Autorenspiel, und das merkt man im durchaus positiven Sinn. Das hier ist kein mit Gameplay veredeltes Drehbuch und auch keine Story von der Stange, die alibimässig über ein technisches Grundgerüst gekleistert wurde. Stattdessen atmet das Ganze und wird zudem von der Überzeugung getragen, mit der Kempke erzählt, was er zu erzählen hat. Wie wichtig ihm seine Figuren sind, belegt die Tatsache, dass der mittlerweile auch zum Romanautor avancierte Künstler in der Podcast-Reihe "Videospielhelden" eine Hörspielfassung unter dem Titel "The Night of the Rabbit: Der Zauberlehrling des Kaninchens" entwickelt hat. Da Adventures wie kaum ein anderes Genre Freiraum für narrative Elemente lassen, ist das wohl das, was man als "perfect match" bezeichnet.

Mottenpriesterinnen und poetische Maulwürfe

Die vom Spieler zu steuernde Hauptfigur ist der zwölfjährige Jeremias "Jerry" Haselnuss. In einem nahe am elterlichen Haus gelegenen Wald trifft er auf einen sprechenden weissen Hasen namens Marquis de Hoto. Jeremias, der seit jeher den Traum hegt, Zauberer zu werden, schliesst sich ihm an und gelangt so durch ein Portal in die magische Welt Mauswald, die von allerlei magischen Wesen wie einem dichtenden Maulwurf oder der Mottenpriesterin Phosphera bevölkert wird. Der Marquis selbst ist ein "Baumläufer", der über Portalbäume zwischen unterschiedlichen Parallelwelten hin und her springen kann - und mit ihm Jerry und die Spieler. Natürlich fehlt nun noch ein Antipode, der nach einer Weile in Gestalt des bösen Magiers Zaroff auf den Plan tritt. Jeremias muss nun Zaroff das Handwerk legen, um alle Welten, einschliesslich seiner eigenen, vor dem Untergang zu bewahren.

Screenshot
Sogenannte Baumportale sind die Verbindung zwischen magischen Parallelwelten

Zum Spielablauf muss man nicht allzu viel sagen: "The Night of the Rabbit" kommt als sehr klassisches Adventure daher. Ihr klickt euch durch verschiedene Bildschirme - wobei das genredefinierende Klicken sehr gut auf die Steuerungselemente der Switch portiert wurde - und interagiert mit der Umgebung bzw. mit anderen Spielcharakteren. In erster Linie geht es darum, Gegenstände zu sammeln und sie dann zu kombinieren und an der richtigen Stelle in der Spielwelt zum Einsatz zu bringen. Was genau zu tun ist, erfahrt ihr in Gesprächen mit den Spielfiguren, bei denen ihr meist verschiedene Antwortmöglichkeiten habt, die den Spielverlauf beeinflussen. Der Tag-und-Nacht-Modus hat ebenfalls Einfluss darauf, welche Aktionen möglich sind.

Screenshot
Im Verlauf der Handlung verschlägt es Jerry auch in die Arktis

Nicht immer ist dabei alles wirklich logisch, und einen Innovationspreis gewinnt "The Night of the Rabbit" - zumal heutzutage - auch nicht. Doch das ist wohl ohnehin nicht das, was Genre-Fans in einem Adventure suchen. Vielmehr wird auch "The Night of the Rabbit" von einer gemächlichen Erzählweise getragen, die es euch überlässt, wie intensiv ihr euch die wirklich sehr sehenswerten und detailverliebten Umgebungen anschauen wollt. Insofern ergibt die Portierung auf die Switch durchaus Sinn, denn ein Handheld eignet sich natürlich wunderbar, das Spiel auch in der Horizontalen oder unterwegs zu spielen.

Kommentare

The Night of the Rabbit Artikel