Tides of Tomorrow - Test / Review

Endzeit-Adventure mit Action

Test Video Benjamin Braun getestet auf PlayStation 5

Wer Story-getriebene Adventures mag, den hat das Indie-Studio Digixart vor wenigen Jahren mit "Road 96" gut bedient. Nun steht das neue Spiel der Franzosen bereit, das euch in eine atmosphärische Endzeitwelt versetzt und mit einem innovativen Follower-System aufwartet, durch das ihr trotz Soloprinzip mit anderen Spielern indirekt kooperieren könnt.

Wie genau es in "Tides of Tomorrow" dazu kam, dass unsere Erde vollständig im Meer versunken ist, erklärt das neue Spiel des "Road 96"-Machers DigixArt nicht. Dennoch weckt das Endzeit-Setting des neuen Egosicht-Adventures des Studios aus Montpellier damit Assoziationen mit dem Film "Waterworld". In "Tides of Tomorrow" geht es aber nicht um die Suche nach Dryland. Stattdessen kämpft ihr gegen eine Krankheit namens Plastemia, die von den Massen von Kunststoffmüll im Ozean hervorgerufen wird und jeden Betroffenen förmlich plastiniert, bis der Organismus aufgibt und stirbt. Ein Stoff namens Ozen kann die Krankheit nur verlangsamen - und der Nachschub daran schwindet. Zu allem Überfluss entbrennt ein Kampf zwischen verschiedenen Fraktionen der Welt, die die Kontrolle über das Ozen erlangen und in ein gewinnbringendes Geschäft verwandeln wollen. Um überleben zu können, müsst ihr just diesen Plan vereiteln und letztlich das Schicksal der gesamten Welt verändern.

Ein Tidewalker kommt selten allein

Um zu überleben und auf dem Weg dorthin vielleicht auch noch andere zu retten, seid ihr nicht komplett auf euch allein gestellt. Neben der Hilfe von NPC-Charakteren aus allen drei grossen Fraktionen werdet ihr auch von einem anderen Spieler unterstützt. Aber nicht in Form eines klassischen Koop-Modus, sondern indirekt im Rahmen eines innovativen Follower-Systems. Dabei folgt ihr einem anderen Spieler, der bereits vor euch in der Welt unterwegs war und genauso wie ihr ein sogenannter Tidewalker ist. Das ist keine Alien-Spezies, sondern an sich ein ganz normaler Mensch, allerdings mit einer besonderen Fähigkeit. Denn nur sie können die "Wogen der Zeit" sehen, was nichts anderes als Visionen anderer Tidewalker sind. Im Spiel könnt ihr auf Knopfdruck die Visionen des Spielers, dem ihr nach der manuellen Auswahl ganz am Anfang folgt, entsprechend auf Knopfdruck abrufen. Die zeigen euch ähnlich wie ein Hologramm Auszüge aus Dialogen des anderen Tidewalkers, worüber ihr dann beispielsweise das Passwort für eine Wache erfahrt, um durchgelassen zu werden, und andere nützliche Infos erhaltet, um zusätzliche Dialogoptionen zu aktivieren.

Screenshot
Tides of Tomorrow

Manchmal seht ihr in den Visionen auch einfach, woher genau sich euer Vorgänger bewegt hat. Das benötigt ihr etwa auf einer Brücke, da nur bestimmte Flächen trittsicher sind. Solche Visionen sind auch in Schleichpassagen wichtig. Denn darin kommt es immer wieder mal zu Situationen, in denen Wachen automatisch auf euch aufmerksam werden und nach euch suchen. Da die Wachen bei euch stets das Versteck untersuchen, in dem sich euer Vorläufer verkrochen hat, könnt ihr an der Vision entsprechend ablesen, welches ihr aufsuchen solltet.

Indirekte Kooperation

Da der gefolgte Spieler nicht wirklich in eurer Welt ist, sind direkte Kooperationen zwischen den Tidewalkern nicht möglich, wohl aber indirekte. So gibt es in jeder der Haupt-Locations "Vorratstruhen", die ausschliesslich manuell von Spielern bestückt werden können. Dort können gewisse Mengen an Scrap und auch Ozen-Flaschen abgelegt werden, die ihr zur Wiederherstellung eines Lebensbalkens braucht, da eure Lebensenergie automatisch mit der Zeit nach unten geht. Hat der Spieler, dem ihr folgt, dort etwas hinterlassen, könnt ihr es einfach herausnehmen - oder den Vorrat für die Spieler, die euch später womöglich folgen, aufstocken. Ferner ist es möglich, bei Händlern in der Welt Spenden abzugeben, um die hohen Preise für Ozen für den Follower zumindest leicht zu drücken. Eure "Vorspieler" können euch bei Händlern Zeug wegkaufen, wobei offenbar die wenigsten komplett leergekauft werden können und so gut wie immer eine Flasche im Angebot haben. Dass euer Vorspieler kein Ozen bei ihnen kauft, ist aber ohnehin nicht ausgeschlossen. Denn die Preise sind hoch und steigen im Laufe des Spiels gar überaus deutlich an. Wenn die Energieleiste mangels Ozen komplett geleert ist, werdet ihr übrigens erst mal nur ohnmächtig und landet an einem bestimmten Ort. Angeblich endet das Spiel jedoch vorzeitig, wenn ihr es noch mal so weit kommen lasst. Gemessen an unserem Spielerlebnis sollte das allerdings so leicht nicht passieren. Ihr solltet es dennoch besser kein zweites Mal darauf ankommen lassen und euch immer rechtzeitig um Ozen-Nachschub bemühen.

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Tides of Tomorrow

Zu den indirekten Kooperationen zählt obendrein die Reparatur von Leitern oder Brücken. Das könnt ihr zwar oft auch selbst machen. Hat es euer Vorgänger bereits getan, spart ihr euch durch ihn aber das Scrap, das bei der Reparatur verbraucht wird. Wir sind allerdings sogar auf eine intakte Brücke getroffen, die offenbar noch niemand reparieren musste und die kaputt geht, nachdem wir sie benutzt haben. Die wird dann einer unserer Follower wiederherstellen können. Müssen nämlich nicht, da sie, ähnlich wie die meisten Leitern, nicht zwingend erforderlich sind, wohl aber gern mal zu Bonusbelohnungen führen. Das System, obschon Digixart an ein paar Stellen einfach nur trickst, gefällt uns jedenfalls richtig gut, da es sich einfach wirklich danach anfühlt, als ob man hier versetzt mit anderen Spielern zusammenarbeitet.

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