Tides of Tomorrow - Vorschau / Preview

Spannendes Solo-Online-Adventure

Vorschau Video Benjamin Braun

Ungewöhnlich war schon ihr Debütwerk "Road 96": Mit ihrem maritimen Endzeit-Abenteuer "Tides of Tomorrow" werkelt das französische Studio DigixArt an einem besonders spannenden Projekt, das klassisches Solo-Gameplay mit einer innovativen Online-Anbindung verknüpft.

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Tides of Tomorrow

Games mit asynchronem Mehrspielermodus gibt es gar nicht so wenige. Allerdings sind die meisten davon rundenbasierte (Rollen-)Spiele, die quasi eine moderne Form des Briefschachs darstellen. "Tides of Tomorrow" ist anders. Beim neuen Titel der Macher von "Road 96" handelt es sich nämlich um ein Solo-Adventure, in dem via Online-Anbindung jedoch auch das Spielerlebnis anderer Gamer eine wichtige Rolle einnimmt und sich unmittelbar auf die Welt sowie den Story-Verlauf auswirkt. Das klingt für euch spannend? Für uns auch! Denn grosses Potenzial können wir dem Abenteuer aus Frankreich schon jetzt attestieren.

Plastifizierte Waterworld

Die grosse Flut hat weite Teile der Welt überschwemmt, sodass die Menschen ein bisschen wie im 1995er-Endzeit-Film "Waterworld" praktisch nur noch auf im Meer schwimmenden Plattformen überleben können. Anders als im kommerziellen Kino-Misserfolg mit Kevin Costner in der Hauptrolle geht es in "Tides of Tomorrow" allerdings nicht darum, das vermeintlich rettende Dryland zu finden. Denn noch viel mehr als vom gestiegenen Wasserspiegel ist im Elynd genannten Rest der Welt das (Über-)Leben von der zunehmenden Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoffabfälle bedroht. Die "Plastifizierung" setzt den Überlebenden zunehmend zu und ersetzt Stück für Stück mehr von ihrem Körper, bis am Ende nur noch ein von synthetischen Abfällen überwuchertes totes Etwas übrig bleibt - also in etwa wie die plastinierten Körper in Gunther von Hagens' "Körperwelten"-Ausstellung.

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Tides of Tomorrow

Die Plastinierung bedroht auch das Leben der Hauptfigur aus "Tides of Tomorrow", einer der sogenannten "Tidewalker", die nach einem Heilmittel für sich und die anderen suchen. Die grösste Besonderheit des Story-lastigen Spiels, das wohl am besten als Adventure mit Action-Elementen beschrieben ist, besteht aber darin, dass ihr es zwar ganz für euch allein spielt, gleichzeitig aber anderen Spielern folgt, dabei in ihre Version der Welt eintaucht und sie mit euren Entscheidungen in eine ganz andere Richtung verändert, sodass die Geschichte einen anderen Ausgang bekommt.

Der etwas andere Follower

"Tides of Tomorrow" ist ausnahmslos spielbar, wenn ihr einem anderen Spieler folgt. Das ist wichtig, da ihr euch durch eine Welt bewegt, die bereits von dessen Entscheidungen beeinflusst und mitunter radikal verändert wurde. So hat in bestimmten Gebieten etwa eine ganz andere Fraktion die Kontrolle übernommen und einen Teil davon mit Stacheldraht abgeriegelt. In diesem Fall müsst ihr einen anderen Weg finden, um hineinzugelangen und beispielsweise einen für die Story zentralen NPC zu treffen. Welche Entscheidungen der Spieler, dem ihr folgt, getroffen hat, könnt ihr teils im Visionsmodus auf Knopfdruck beobachten. Ihr entscheidet dann, ob ihr es dem Kollegen gleichtut oder womöglich sogar genau das Gegenteil macht. Je weiter ihr im Spiel fortschreitet, desto stärker unterscheiden sich potenziell die Welten von euch und dem Spieler, dem ihr folgt. Das soll zu ganz unterschiedlichen Verläufen führen und natürlich auch wesentlich das Ende beeinflussen, das sehr positiv (wenn auch vielleicht nicht unbedingt für euren Helden selbst) oder sehr düster ausfallen kann.

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Tides of Tomorrow

Wie das bereits zum Launch überhaupt gehen soll, wenn noch niemand "Tides of Tomorrow" gespielt hat? Natürlich mit von den Entwicklern vorgegebenen "Spielern", die zum Release vorhanden sind. Ihr könnt aber praktisch jederzeit den Spieler wechseln, dem ihr folgt, egal ob fremde Gamer oder Freunde. Bestimmte Spieler möchten die Entwickler dabei besonders hervorheben, also im Rahmen einer Art von Empfehlungssystem. Wir finden es im Zweifel eher reizvoller, einem Freund zu folgen und mit ihm zwischendrin oder am Ende über das "gemeinsame" Spielerlebnis zu sprechen. Dass man aber beispielsweise auch bekannten Streamern, die "Tides of Tomorrow" spielen, folgen können wird, ist gewiss etwas, das so manchen Gamer besonders interessieren wird.

Das Followen geht übrigens auch bei anderen Spielern, die das Abenteuer noch nicht beendet haben. Erst wenn ihr einen gefolgten Spieler in der Story eingeholt habt, müsst ihr auf einen wechseln, der weiter fortgeschritten ist. Noch können wir nicht genau abschätzen, wie stark sich die Entscheidungen auf den Spielverlauf, das Erscheinungsbild der Welt und anderes auswirken. Doch die bisherigen Eindrücke sind vielversprechend, zumal auch Leben oder Tod vieler NPCs von eurem Tun abhängen werden. Das gilt unter anderem auch im Zusammenhang mit gefundenen Mittelchen, die die Plastifizierung zumindest vorübergehend stoppen. Denn die könnt ihr euch selbst einflössen, an NPCs weitergeben oder bewusst an den Fundorten zurücklassen, damit Spieler, die euch folgen, davon profitieren können. Interessant ist auch, dass manche NPCs sich offenbar förmlich an uns (soll heissen an den Spieler, dem ihr folgt) erinnern können oder von euren Visionen eurer Vorgänger wissen. So erinnert sich einer daran, dass wir (also unser Vorgänger) eine Übergangsbrücke zerstört haben, und meckert uns deshalb an. Je nach gesammelten Ressourcen (und ob wir uns dafür entscheiden oder eben nicht), können wir jenen Übergang allerdings wieder reparieren, wodurch die Brücke für einen unserer Follower wieder nutzbar wird. Besagter NPC dürfte unserem Nachfolger also besser gelaunt begegnen, ihm vielleicht sogar ein Geschenk machen oder später in einer anderen Situation helfen. Ein zweifellos spannendes Konzept, von dem wir sehr hoffen, dass es auch wirklich aufgeht.

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