Der erste Teil schaffte es nicht nach Europa, der 3DS-Nachfolger erschien bereits vor mehr als zehn Jahren. Nun steht der neue Teil von Nintendos putziger Lebenssimulation für Switch 1 und 2 in den Startlöchern. Weshalb wir Spass mit den Mii-Charakteren auf unserer Insel hatten, das Sequel aber nicht jedem Gamer gefallen wird, erfahrt ihr in unserem Test.
Die Mii-Charaktere können auch auf den aktuellen Nintendo-Konsolen und in Spielen wie "Mario Kart 8 Deluxe" oder "Super Smash Bros. Ultimate" verwendet werden, ihre ganz grosse Zeit liegt allerdings schon etwas länger zurück. Mit "Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden" erfahren sie nun eine Art Revival. Denn immerhin sind die Mii genauso wie in den Handheld-Vorgängern zentraler Bestandteil des Spiels, das mit "putziger Lebenssimulation" wohl am besten beschrieben wäre. Wir haben uns auf Switch 2 auf die Insel begeben und verraten euch hier sowie im oben eingebetteten Testvideo, ob sich die Anschaffung lohnt.
Rein ins Insel-Leben
Im nunmehr dritten Teil von "Tomodachi Life" landet ihr auf einer zunächst noch ziemlich kleinen, unbewohnten Insel. Ihr seid der Insel-Chef und ein gottgleiches Wesen, das alles überwacht und im Hintergrund die Strippen zieht. Eure Aufgabe besteht darin, die Insel zu besiedeln, was über Mii-Charaktere läuft, die Bewohner sozial zu vernetzen und glücklich zu machen. Doch dazu später mehr. Die Mii könnt ihr jedenfalls, sofern ihr bereits welche erstellt habt, importieren, aber auch innerhalb des zweigeteilten spielinternen Editors erstellen. Ihr könnt die Mii entweder im vollen Editor komplett frei Schnauze bis ins kleinste Detail zusammenbasteln oder über eine Art Fragenkatalog komfortabel und schnell erzeugen, wobei die Ergebnisse darüber wirklich gut sind.

Ihr bestimmt aber nicht nur das Äussere der Mii, sondern legt auch etliche andere im weiteren Verlauf wichtige Details fest. Männlich, weiblich oder nicht-binär? Hetero-, homo- oder bisexuell? Davon hängt entsprechend ab, wer mit wem nur befreundet sein kann oder womöglich eine Beziehung eingehen könnte. Aber auch vom Alter, wobei ihr jedem manuell ein Geburtsdatum verpasst. Denn Mii-Charaktere unter 18 Jahren können nur mit anderen Minderjährigen eine Beziehung eingehen, nie mit einem Erwachsenen. Ihr könnt auch die Stimme anpassen, wobei alle Dialoge von einer Sprachsoftware intoniert werden, auf die wir später noch mal zurückkommen werden. Ihr könnt eine Stimme aus der Vorauswahl nehmen, Stimmlage, Sprechgeschwindigkeit und Co. aber auch frei über Schubregler anpassen. Sogar Charaktereigenschaften legt ihr für jeden Mii separat fest, also zum Beispiel, ob jemand eher zurückhaltend oder direkt ist, was unter deren Verhalten oder auch Präferenz beim Kleidungsstil, beim Essen und anderem bestimmt.
Anders als im Vorgänger könnt ihr direkt bei der Erstellung auch Verwandtschaftsverhältnisse festlegen, also ob jemand etwa die Mutter, der Sohn, die Oma oder der Ehemann von irgendwem ist. Das ändert allerdings nichts daran, dass sich die Charaktere anfangs noch nicht kennen. Das führt entsprechend zu seltsamen Szenen, wenn sich Mutter und Sohn erstmals im Spiel begegnen und sich begrüssen, als ob sie sich gerade zum allerersten Mal sehen. Schlimm ist das aber nicht, eher sogar ganz witzig.
Insel-Chef und Schicksalsweber
Die Mii-Charaktere führen auf der Insel, die wir "Lummerland" getauft haben, zwar auch ein Eigenleben. Während sie herumlaufen reagieren sie entsprechend aufeinander und können sich sogar verlieben. Das wird dann gerne in humorvollen Zwischensequenzen illustriert, bei der plötzlich alles bis auf der Herzensmensch förmlich verschwindet. Wirklich ineinander verlieben oder auch nur miteinander anfreunden, können sich die Mii aber nicht ohne euer Zutun beziehungsweise eure Zustimmung. Kommt die besagte Zwischensequenz, werdet ihr immer gefragt, ob es Liebe ist oder der jeweilige Mii sich dies bloss einbildet. Unerwünschten Paarungen könnt ihr also verhindern. Wollt ihr die Chance auf eine Beziehung hingegen wahren, stimmt ihr zu. Genauso funktioniert das bei Freundschaften. Selbst, wenn ein Mii Bedenken äussert, ob das wirklich passt, könnt ihr ihn sozusagen einfach überstimmen. Sehr ähnlich funktioniert das auch, wenn zwei befreundete Charaktere zusammenziehen möchten. Bei uns waren das als erstes Oma Sybille und Opa Knut, deren gemeinsames Zuhause wir scherzhaft „Altenheim“ genannt haben. Die beiden hielten das jedenfalls für einen tollen Namen. Wir übrigens auch!

Abseits solcher Szenen, in denen ihr direkt auf "Vorschläge" der Charaktere reagiert müsst ihr aber meist selbst die Initiative ergreifen und die Mii direkt in die gewünschte Richtung lenken. So könnt ihr jeden Charakter einfach greifen und gezielt neben einem anderen Bewohner absetzen, um ein Gespräch zwischen ihnen zu erzwingen. Oft äussern die Bewohner aber auch Wünsche, dass sie eine bestimmte Person näher kennenlernen möchten. Dabei könnt ihr dann selbst das Gesprächsthema vorgeben und dabei sogar eigene Begriffe eingeben. Das funktioniert entsprechend nach dem Lückentext-System, weshalb die Dialoge an sich ziemlich schematisch und oberflächlich ausfallen. Abhängig vom eingegeben Begriff kann aber genau das brüllend komisch sein, wenn ihr zwei Charaktere etwa über die Beschäftigung „Nasepopeln“ sprechen lasst.
