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Unravel - Special

Bloss nicht den Faden verlieren!

Artikel Video Ulrich Wimmeroth

Hüpfen, Klettern, Puzzeln: Die Abenteuer des putzigen Woll-Männchens Yarny sind eine echte Herausforderung. Und erzählen dabei eine wunderbar melancholische Geschichte.

Der Auftritt von Martin Sahlin, anlässlich der ersten Vorstellung von "Unravel" während der EA-Pressekonferenz auf der E3 2015, war in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Leise, geradezu zaghaft, präsentierte der Studio-Direktor der schwedischen Coldwood Interactive sein neues Projekt. "Unravel", übersetzt: Entwirren, ist der Titel. Und ein knallrotes Wollmännchen -oder auch Wollfräuchen, das spielt aber wohl auch keine Rolle- mit dem Namen Yarny, der ungewöhnliche Held des Spiels. Eine Mischung aus Jump and Run, und dem Lösen von physik-basierten Rätseln. Aber keines der Spiele, die allein mit einem charmanten Charakter, kniffligen Level oder Cartoongrafik, wie beispielsweise die erfolgreiche Rayman-Serie, fesseln wollen.

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Eine ganz persönliche Geschichte von der Suche nach Liebe und einer verlorenen Familie, wird in kurzen Zwischensequenzen erzählt. Eine Geschichte, die von den Ereignissen in Sahlins Leben geprägt wurde und völlig ohne Worte auskommt. Das macht "Unravel" zu etwas ganz Besonderem. Während der Studiochef das alles dem Publikum erzählt, hält er eine, umwerfend niedliche, Wollfigur des Protagonisten in seinen zitternden Händen. So eine würde wohl jeder gerne haben. Kein Problem: Es ist ganz einfach, sich ein persönliches Yarny zu basteln.

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Wie funktioniert das Spiel? Eigentlich ganz einfach: Während der Spieler Yarny über den Bildschirm bewegt, hinterlässt er einen Faden der roten Wolle, aus dem sein Körper besteht. Diesen kann er nutzen, in dem er beispielsweise ein Lasso daraus bildet, um an höher gelegene Stellen zu kommen. Er kann an dem Faden hoch- oder runterklettern, an ihm über Abgründe schwingen oder Fäden verknoten, um eine Brücke zu bauen. Oder ein Trampolin weben und in die Lüfte abheben. Zudem kann das possierliche Figürchen springen und Gegenstände schieben und ziehen. Jetzt erfordert es die Kombination der Möglichkeiten, um die Hindernisse in einem Level überwinden zu können. Die Anforderungen steigen im Verlauf des Spiels kräftig, so gilt es zum Beispiel erst einmal Äpfel in einen Teich zu befördern, bevor man über diese dann das rettende Ufer erreichen kann. Denn Wasser ist schädlich und ein unfreiwilliges Bad sorgt dafür, dass der Spieler schnurstracks zum letzten Speicherpunkt befördert wird.

Wie komplex sich die Aufgaben mitunter gestalten, wird in diesem Trailer anschaulich dargestellt. Der lebensnotwendige rote Faden, der sich am Ende einmal mit Holzhammer-Symbolik durch das gesamte Spiel zieht, verbraucht sich mit jedem Schritt und jeder Aktion. Yarny wird dann immer dünner und kann irgendwann einfach nicht mehr weiter. Glücklicherweise gibt es in der Spielwelt genügend Orte, an denen der Spieler Körperwolle nachlegen kann. Trotzdem gilt es, den begrenzten Vorrat an körpereigenen Fäden immer im Auge zu behalten.

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Grafisch beeindruckt das Spiel durch wunderschön gezeichnete, und vor allem abwechslungsreiche, Hintergründe, schwedischer Wald- oder Schneelandschaften. Mit "Unravel" haben die Entwickler von Coldwood Interactive einfach mal etwas Neues gewagt. Die Macher von Move Fitness, Ongolf oder Skiracing, liefern eine richtige Indie-Perle. Ein kniffliges Puzzlespiel, mit einem unerhört sympathischen Charakter, sowie einer herzerwärmenden Geschichte vereint. Wie sagte Martin Sahlin in einem Interview: „Wenn nur ein Spieler danach seine Mutter anruft, sind wir glücklich“. Sahlin dürfte sehr glücklich werden.

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