Das Entwicklerteam von Owlcat Games ist bereits seit 2013 tief im Rollenspielmarkt verankert. Mit den beiden "Pathfinder"-Titeln brachte es eine ausserordentlich detaillierte Version des "Dungeons & Dragon"-Ablegers auf die Bildschirme von Hardcore-Fans. Nachdem beide Games zwar mit Einsteigerfreundlichkeit, Performance und Bugs kämpften, erwiesen sie sich doch als exzellente Rollenspiele mit einer detaillierten Welt und viel Handlungsspielraum für wagemutige Spieler. Auch der Abstecher in die düstere Welt von "Warhammer 40'000" zeigte sich bei den Fans - abermals nach einigen Startschwierigkeiten - durchaus als erfolgreich. Vielleicht hätte "Warhammer 40K: Rogue Trader" sogar das Zeug zum besten Rollenspiel des Jahres. Jedenfalls, wenn es nicht im selben Jahr erschienen wäre wie "Baldur's Gate 3".
Der Rollenspielgigant von Larian hat "Rogue Trader" noch mehr in die Nische verbannt, als es aufgrund der eher komplexen Rollenspielsysteme, des Settings und der fehlenden Vertonung ohnehin schon war. Trotzdem steht "Rogue Trader" in Sachen Umfang, Vielfalt und Entscheidungsfreiheit seiner Konkurrenz in nichts nach. Inzwischen ist auch die Technik auf einem Stand, bei dem sie euch beim Spielen nicht mehr im Weg steht. Mit den DLCs kamen zudem zwei neue Charakterklassen, passende Begleiter und mehrere Stunden an Story dazu. Es gibt keinen besseren Moment als jetzt, um in die faszinierende Welt von "Warhammer 40K" einzutauchen!
Umso passender, dass das Spiel inzwischen auch für Nintendo Switch 2 erhältlich ist und ihr damit eure Abenteuer auch unterwegs bestreiten könnt.
Fanatiker oder Chaos-Gott?
In "Rogue Trader" werdet ihr gleich zu Beginn unter mysteriösen Umständen zu einem der titelgebenden Rogue Trader. Diese Gesandten des menschlichen Imperiums haben mehr oder weniger den Freifahrtschein, machen zu können, was sie wollen, solange sie dabei das Einflussgebiet des menschlichen Imperiums erweitern. Entsprechend werdet ihr nach der ausführlichen Charaktererstellung in eine Welt geworfen, in der religiöser Fanatismus auf übernatürliche Kräfte aus anderen Dimensionen trifft und euch jede Entscheidung etwas näher an verschiedene zwielichtige Fraktionen drängt.

Die Story ist bei Weitem die grösste Stärke von "Rogue Trader", denn im Verlauf der mehreren dutzend Spielstunden entscheidet ihr über das Schicksal ganzer Völker und Planeten, habt dabei in den meisten Fällen aber deutlich mehr und nuanciertere Optionen, als es bei vielen modernen Rollenspielen der Fall ist. So ähneln sich keine zwei Spieldurchgänge von "Rogue Trader", und selbst grundlegende Spielmechaniken können sich für euch im späteren Verlauf ändern, wenn ihr bestimmte Wege bestreitet.
Charaktervielfalt bis zum Fehlstart
Eine weitere Stärke von "Rogue Trader" liegt in der Entwicklung eures Charakters, denn ihr baut ihn, indem ihr eine von sechs Hintergrundgeschichten mit einer der vier Startklassen kombiniert. Später könnt ihr euch dann auf eine von drei fortgeschrittenen Klassen spezialisieren. Da ihr aber auch innerhalb jeder Auswahl sehr viel Gestaltungsspielraum habt, können sich optimierungsfreudige Fans hier vollends austoben. Für Einsteiger kann der Start allerdings schwierig sein, denn es fällt durch die Menge an Optionen nur allzu leicht, den Charakter in eine Ecke zu entwickeln, wo nur das Zurücksetzen der Skill-Punkte infrage kommt.

Diese Stolpersteine lassen sich jedoch ein Stück weit mit den anpassbaren Schwierigkeitsgraden umgehen, da eure Charakterentwicklung sich vor allem darauf bezieht, wie euer Held kämpft. Zwar könnt ihr diverse Skills auch in Dialogen anwenden, euch stehen jedoch unabhängig von euren Fähigkeiten abseits des Kampfes immer mehrere Optionen offen.
Zurück auf Start
Mit dieser hervorragenden Ausgangslage sollte eine Portierung auf die Switch 2 doch ein Fest für alle Rollenspielfreunde sein, oder nicht? Leider ist das nicht ganz so einfach wie erhofft, denn die Portierung auf die Switch versetzt uns prompt zurück zum ursprünglichen Launch von "Rogue Trader" - nicht nur, was den Preis des Spiels angeht, der auf anderen Plattformen inzwischen regelmässig deutlich tiefer ist, sondern leider auch mit Blick auf die Performance.

Zum Launch lief das Game nahezu gar nicht im Handheld-Modus der Switch 2 mit ausserordentlich langen Ladezeiten und einer Bildschirmrate, bei der wir uns regelmässig nicht sicher waren, ob das Spiel nicht eingefroren ist. Inzwischen hat ein Patch etwas Abhilfe geschaffen, trotzdem sind lange Ladezeiten und regelmässige Stocker hier an der Tagesordnung. Zudem sind die beiden herausragenden DLCs nicht enthalten, was den Vollpreis für den Port noch schwerer vertretbar macht.
Fazit
"Rogue Trader" ist ein herausragendes Rollenspiel und nicht nur eines der besten Games des "Warhammer 40K"-Universums, sondern auch eines der besten RPGs der letzten Jahre. Leider ist die Switch 2 noch nicht die ideale Plattform, um diesen Geheimtipp zu erleben. Stattdessen lohnt sich hier noch das Warten auf einige zusätzliche Patches oder der Wechsel auf eine der anderen Plattformen, auf denen "Rogue Trader" nicht nur günstiger ist, sondern auch noch besser läuft.

