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Watch Dogs

Richtig, Falsch? Was fühlst du im Bauch? Ein Gespräch über die Doppelmoral von Videospielen

Vorschau Benjamin Kratsch

Was ist eigentlich Moral? Und wie funktioniert sie? Predigt der Playstation-4-Knaller „Watch Dogs“ etwa eine Doppelmoral? Games.ch setzt sich mit Senior Producer Dominic Guay an einen runden Tisch und spricht über die schwierige Balance von moralischer Verantwortung versus Spielspass, Hollywood-Heroen und warum das Social-Media-Punktesystem nicht einfach nur den Dreifachsprung freischalten soll. „Watch Dogs“ – Mega-Interview. ?

v. Ryan Southardt /Benjamin K.

Achtung: Dies ist das Interview zu einer ausführlichen Präsentation, die wir in San Francisco erlebt haben. Bitte lest vorher unser Mega-Preview zu „Watch Dogs“: 
 http://www.games.ch/watch-dogs/artikel/vorschau-v135e13852.php

Screenshot Dominic, „Watch Dogs“ ist ein faszinierendes Spiel, aber es gibt da eine gewisse Doppelmoral, über die ich mit dir gerne sprechen würde. Wir haben diese beiden Abschnitte erlebt: Im einen retten wir eine Frau vor ihrem Ex-Mann. Der zückt ein Messer, wir schreiten ein und schalten ihn aus. In der anderen Szene wiederum infiltrieren wir ein sogenanntes CtOS-Serverzentrum. Die Basis wird massiv geschützt, wir greifen zu Waffengewalt, jagen zwei Securities in die Luft und töten einen  mit einem Kopfschuss. Sind das nicht einfach auch nur Typen, die ihren Job machen? Wo liegt der Unterschied zwischen der Frau und den Securities?

Screenshot Dominic Guay: Das ist ein spannendes Thema, aber wir müssen das von hinten aufrollen, denke ich. Also was wir mit „Watch Dogs“ versuchen ist ein Open-World-Erlebnis, bei dem ihr die tragende Rolle spielt. Ihr entscheidet und ihr müsst eure Taten mit eurem Gewissen vereinbaren. Darum geht es. Schauen wir 10, 12...15 Jahre zurück, dann hat die Spielebranche schon immer versucht mit ethischen und moralischen Diskursen zu arbeiten. Es gibt da regelrechte Klassiker: Das Waisenkind, das du töten sollst. Rettest du es und setzt dich selbst grosser Gefahr aus? Oder erledigst den Job. Das sind zwei sehr extrem Entscheidungen, die unserer Meinung nach die reale Welt nicht abbilden. Es ist eine Art Hollywood-Bild: Sei der Held oder der Bösewicht; der Killer.

Im echten Leben gibt es viel mehr Nuancen: Du kannst dem Waisenkind etwas Geld in die Hand drücken; du kannst dich mit ihm unterhalten, dich für das Kind interessieren; du könntest versuchen eine Familie für ihn zu finden oder ihn gar aufnehmen. Ich würde das als Grauzone betrachten: Du opferst dich nicht für das Kind, du hilfst aber. Ich denke das ist viel glaubwürdiger als die anderen Optionen. Und dann gibt es etwas, was viele Filme und vor allem Spiele überhaupt nicht anbieten: Du kannst den Waisen doch ignorieren. Könntest du doch, im echten Leben. Richtig?

 

 

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