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Wolfenstein 2: The New Colossus - Test

Ein brachialer Leberhaken direkt ins Kreuz

Test Video Michael getestet auf PlayStation 4

In „Wolfenstein 2: The New Colossus“ macht sich Ober-Nazikiller BJ Blazkowicz daran, seine Heimat von den faschistoiden Invasoren zu befreien. Das inszeniert Entwickler Machine Games als schwarz-humorigen Road Trip. Der ist noch effektvoller, überdrehter und wuchtiger als „The New Order“. Aber leider schiesst der Ego-Shooter-Hammer dabei stellenweise über das Ziel hinaus und ignoriert einige Tugenden, die den Vorgänger so fantastisch machten.

Es war klar, ohne eine herrlich bescheuerte Idee kommen die Entwickler aus der Nummer nicht mehr raus. Halbtot zieht sich Ein-Mann-Armee William Joseph 'BJ' Blazkowicz am Ende von „The New Order“ an einen Betonvorsprung, der einen weiten Blick auf eine Steilküste freigibt. Gerade hat er noch einen Mech-Roboter zu Klump geschossen. Der brutale General Totenkopf wollte ihn mit dem Stahlmonster den Gar ausmachen. Doch letztlich wuchtete BJ den runzeligen Glatzkopf aus dem Cockpit und rammte ihm ein Messer ins Herz. Der Nazi zog daraufhin noch eine Granate hervor – um sich selbst und den Amerikaner in die Luft zu sprengen. Aber BJ ist hart und forderte mit letzter Kraft einen Nuklearschlag gegen die Festungsanlage von Totenkopf an. Tot sollte BJ also sein. Aber natürlich haben ihn seine Kumpels vom Widerstand zuvor noch rausgeholt. Dennoch: Der BJ, den wir am Anfang von „The New Colossus“ sehen, ist nicht der Muskelberg, den wir kannten. Der einst gestählte Körper ist von Narben und Schnitten übersät. Seine Beine sind dünn wie Streichhölzer und sein Gesicht abgemagert.

Bevor es weitergeht: Noch zwei Anmerkungen. Erstens: ACHTUNG! ES FOLGEN SPOILER! Zweitens: In „The New Order“ musste der Spieler im ersten Level entscheiden, ob er den Kameraden Fergus oder Wyatt das Leben rettet. „The New Colossus“ nimmt diese Entscheidung aus dem Speicherstand des Vorgängers mit. Aber grossen Einfluss hat das nicht. Für wen man sich entschieden hat, wird letztlich nur in den Zwischensequenzen deutlich. In denen tritt dann entweder Fergus oder Wyatt auf – je nachdem. Wer das Original nicht gespielt hat, der kann zu Beginn wählen, welche „Zeitlinie er ansteuern möchte. Nun aber weiter...

Screenshot

Fünf Monate lag BJ nach seiner Rettung im Halbkoma und wurde von seinen Waffenbrüdern vom Kreisauer Kreis an Bord des gekaperten Nazi-U-Boots Hammerfaust gepflegt. Herz, Leber, Lunge, Darmtrakt … alles kaputt. Rein zufällig erwacht der US-Soldat als das Unterseeboot von den Truppen des Deutschen Reichs – klar, in der eingedeutschten Fassung durchgehend „das Regime“ genannt – überfallen wird. Schüsse hallen durch metallene Gänge. Querschläger ertönen und ein Widerständler geht im Türrahmen zu seinem Krankenzimmer zu Boden. Kurzerhand wuchtet sich Blazkowicz in einen Rollstuhl. Dann hat der Spieler schon die Kontrolle, schnappt sich eine Maschinenpistole und rollt begleitet von Industrial- und Rock-Mucke mit wuchtigen Schwüngen durch die Korridore. Mit fein dosierten Salven wird das Nazi-Pack in seinen schwarzen Uniformen niedergemäht. Blut spritzt. Gurgelnd gehen sie zu Boden. Es ist ein bizarrer wie cooler Einstieg ins Game. Denn der zeigt: BJ ist ein Teufelskerl mit einem Überlebenswillen, der für ein ganzes Bataillon reichen würde.

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