Three Fields Entertainment ist ein unabhängiges Entwicklerstudio, das aus Criterion Games entstanden ist, das wiederum vor allem für die "Burnout"-Reihe bekannt wurde, bevor Electronic Arts es für eigene Marken und Spiele einsetzte. Three Fields hat neben einem explosiven Golf-Trickshot-Spiel mit dem Namen "Dangerous Golf" erneut hauptsächlich Rennspiele entwickelt und veröffentlicht. Sein neuester und ambitioniertester Titel heisst "Wreckreation".
Mit der Anfänger-Lizenz zum Fahren
Mit "Danger Zone" und "Danger Zone 2" haben die Entwickler bereits zwei Games veröffentlicht, in denen es um einen der beliebtesten Modi aus "Burnout" geht. Ihr müsst darin einen möglichst beeindruckenden Crash auf vielen unterschiedlichen Strassen und Kreuzungen fabrizieren. Mit "Dangerous Driving" haben sie ein vollwertiges Rennspiel entwickelt, in dem zwar noch immer viel gecrasht wird, es aber umso mehr ums schnelle und stylishe Fahren geht. "Wreckreation" ist eine Kombination aus allem, was sie bisher gelernt haben, verpackt in eine Open-World Hülle, die mehr als nur ein wenig von “Burnout Paradise” inspiriert ist.

Gestartet wird mit nur einem von vielen verfügbaren fiktiven Autos, mit denen man die offene Spielwelt erkunden kann. Darin finden sich etliche Events, die in verschiedene Kategorien unterteilt sind. In den meisten geht es nur darum, als Erster das Ziel zu erreichen oder eine bestimmte vom Spiel vorgegebene Zeit zu unterbieten. Ausserdem sind Events vorhanden, in denen man unter Zeitdruck andere Autos rammen und zerstören muss, um damit möglichst viele Punkte zu sammeln. Diese Events müssen in der Spielwelt gefunden werden, und für ihren Abschluss erhält man Lizenzpunkte. Hat man genug von ihnen gesammelt, steigt man in der Stufe auf und schaltet neue Autos oder Events frei. Ebenfalls zu finden sind hunderte Werbeschilder und verschlossene Tore, die als Sammelobjekte dienen. Das klingt nicht nur nach "Burnout Paradise", sondern ist zum grössten Teil eine schlichte Kopie. Leider fehlt es "Wreckreation" dabei sowohl an Substanz als auch an Stil, der "Paradise" zu einem der beliebtesten Arcade-Racer aller Zeiten macht. Hier sind weder die Renn-Events noch die offene Spielwelt auch nur annähernd so unterhaltsam wie im ganz offensichtlichen grossen Bruder.
Der Gummizug im vollen Einsatz
Das Fahrverhalten der Autos an sich kann eigentlich überzeugen. Jede Karre, vom amerikanischen Musclecar bis zum japanischen Streetracer, fühlt sich unterschiedlich an und hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Wer stylish oder gefährlich fährt, füllt seinen Boost auf, der für ein ordentliches Tempogefühl sorgt. Leider spielt das alles kaum eine Rolle, denn in den Rennen gegen andere Fahrer kann man noch so gut fahren: einen Vorsprung herauszuholen, ist kaum möglich. Man kann eine Strecke perfekt und mit durchgehendem Nitro fahren, während man immer wieder andere Fahrer erledigt, doch der zweit- und der drittplatzierte Gegner sind einem immer ganz dicht auf den Fersen. Es ist frustrierend und fühlt sich schlecht an, wenn man für mehrere Minuten perfekt fährt, am Ende einen kleinen Fehler macht und dadurch mehrere Plätze verliert. Ausserdem fühlt sich auch die Handbremse nicht richtig an, denn bei deren Einsatz macht man manchmal schon bei einem kurzen Betätigen der Taste eine komplette 180-Grad-Drehung.

Etwas ausgefallener als normale Rennen über Stadt und Land sind die sogenannten Himmelsstrecken. Sie sind, wie der Name schon verrät, alle hoch in der Luft gebaut und bestehen aus engen Kurven, Loopings und massiven Sprüngen. Sie erinnern vom Stil her stark an "Trackmania", doch können auch diesem Spiel nicht das Wasser reichen. Sie sind generell besser und interessanter als die erdgebundenen Varianten, doch auch hier ist der Gummizug genauso im Einsatz. Zusätzlich bleibt man viel zu oft an unsichtbaren Kanten hängen, die zwischen den einzelnen Blöcken der Himmelsstrecke entstehen. Die Frustration hat allerdings noch kein Ende. Standardmässig bekommt man immer eine kleine Szene zu sehen, wenn man einen anderen Fahrer crasht, um zu sehen, wie er wunderschön durch die Luft segelt oder sich x-mal überschlägt. Problematisch ist, dass man regelmässig völlig falsch aus den Sequenzen auf die Strecke zurückkehrt - manchmal in einer Kurve, die man ohne übermenschliche Reaktionen gar nicht mehr nehmen kann. Einige Male hat uns das Spiel sogar in die falsche Richtung wieder auf die Strecke gesetzt. In solchen Momenten fällt der Spielspass einfach nur noch ins Bodenlose.
Wie früher auf dem Teppich
Was "Wreckreation" auszeichnet und überraschend viel Spass machen kann, ist die Möglichkeit, in der Oberwelt alle möglichen Rampen und andere Blöcke platzieren zu können. Das kann man aus Spass an der Freude machen, ist jedoch exzellent ins Spiel integriert. Beispielsweise gibt es neben den schon erwähnten Sammelobjekten auch noch Collectibles, welche die Auswahl an ebendiesen platzierbaren Elementen erweitern. Um sie zu erreichen, muss man jedoch seine bereits vorhandenen Rampen oder Loopings richtig platzieren, was toll gemacht ist. Ein Objekt hoch in der Luft oder in einem Gebäude versteckt zu sehen und auszutüfteln, wie man es am besten erreichen kann, ist innovativ und unterhaltsam.

Technisch sieht das Game seinem Budget entsprechend gelungen aus. Hinter "Wreckreation" steckt nur ein kleines Team, und es macht wirklich den Eindruck, als hätte es alle seine Mittel in dieses Projekt gesteckt. Auch der Sound und die Musik sind nicht schlecht, schaffen es aber nicht, dem Ganzen mehr Stil zu verleihen.
Fazit
"Wreckreation" ist ein extrem ambitioniertes Projekt für ein kleines Entwicklerstudio mit einer grossen Vergangenheit. Leider kann das Game zum grössten Teil nicht überzeugen. Das Fahrverhalten ist gelungen, ebenso die Möglichkeit, immer und überall neue Rampen oder ähnliche Elemente platzieren zu können. Alles andere kann jedoch nur wenig oder gar nicht begeistern. Die Spielwelt, die Events an sich oder der ständige Gummizug im Rennen mit anderen Fahrern variieren zwischen langweilig und unglaublich frustrierend.

