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Erica - Test / Review

Okkult-interaktiver Thriller

Test Video Beat Küttel getestet auf PlayStation 4

"Full Motion Video": Lange Zeit nach oft missratenen 1990er-Jahre-Experimenten ein verschmähter Ausdruck, in letzter Zeit aber plötzlich wieder in Mode. Das hat auch Sony bemerkt, und so ist jetzt mit "Erica" ein PS4-exklusiver Titel erschienen, der von A bis Z auf FMV setzt. Funktioniert der interaktive Film? Bietet er Wiederspielwert? Können Story und Charaktere überzeugen? Wir haben uns in das düstere, durchaus blutige Mystery-Abenteuer gestürzt und liefern die Antworten.

Die Menge an Titeln mit FMV-Elementen, die in letzter Zeit für Aufsehen gesorgt haben, ist bemerkenswert. Was auch auffällt: FMV wird dabei in ganz unterschiedlichen Kontexten verwendet. Während ihr zum Beispiel in "Her Story" anhand von Videoschnipseln Textsuchen durchführen und einen Fall lösen müsst, wird die Technologie in "Quantum Break" nur zwischendurch genutzt, um die Story voranzutreiben. Und dann gibt es Spiele wie "Night Shift" oder eben jetzt "Erica", die man klar als interaktive Filme betiteln darf, da sie durchgehend von FMV Gebrauch machen.

Spiel- und Filmfluss ohne Unterbruch

Screenshot

Wenig überraschend erzählt das Spiel die Geschichte der namensgebenden Erica. Die Story beginnt, als sie mit ihrem Vater alte Fotos anschaut. Gleich hier wird euch die erste Entscheidung abverlangt: Ihr sollt aus drei Bildern euer Lieblingsfoto aussuchen. Hat das schon einen Einfluss auf die Geschichte? Soll es euch nur verunsichern? Wer weiss ... Das Gameplay von "Erica" baut aber praktisch komplett auf solchen Entscheidungen zwischen möglichen Handlungen und Dialog-Optionen auf. Dazwischen interagiert ihr auch öfter mal mit Gegenständen, wenn ihr etwa eine Schatulle öffnet oder in einem Buch blättert. Ansonsten läuft das Geschehen aber bis zur nächsten Entscheidungs- oder Aktionsmöglichkeit automatisch als "Film" vor euren Augen ab, ihr steuert also zum Beispiel Erica nicht manuell durch die Szenerie. Wenn wir "Film" sagen, so ist dies durchaus wörtlich zu nehmen, denn wie erwähnt besteht das Spiel vollumfänglich aus Full-Motion-Videosequenzen und nicht aus Polygon- oder Sprite-basierter Grafik. Durch Unschärfe, extreme Nahaufnahmen etwa von interaktiven Objekten, bewusst gewählte Farbfilter sowie andere Stilmittel wird dennoch ein sehr ungewöhnlicher, stellenweise eben doch irgendwie Game-ähnlicher Look erzeugt. Gerade in Nahaufnahmen, wenn ihr etwa mit einem Objekt interagieren sollt, sieht das Ganze wie ein Stop-Motion-Segment aus. Uns hat der ungewöhnliche Look von "Erica" sehr gut gefallen, er ist jedoch sicher nicht jedermanns Sache. Beim Gameplay kommt es nie zu wirklichen Unterbrüchen. Es gibt Szenen, bei denen es einfach weitergeht, wenn ihr nichts tut, während andere geschickt einen Videoloop abspielen, um das Warten zu überbrücken. Das ist ziemlich clever gelöst und sorgt dafür, dass ihr nicht aus dem teilweise doch sehr düsteren Erlebnis oder der Spannung gerissen werdet. Wir möchten an dieser Stelle nur so wenig wie möglich über die Story verraten. Doch das Setup sieht so aus, dass Ericas Vater gleich in den ersten Minuten einem Ritualmord zum Opfer zu fallen scheint, was natürlich polizeiliche Ermittlungen ins Leben ruft. Gleich darauf landet ihr in einer Einrichtung namens "Delphi House", wo ziemlich seltsame und düstere Momente auf euch warten. Wie es weitergeht, was wahr oder allenfalls Vision ist und wo die verschiedenen abzweigenden Storypfade hinführen, lassen wir euch aber selber herausfinden, denn darin liegt der ganze Reiz des Titels.

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