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Year Walk

Hosentaschen-Horror

Test Beat Küttel getestet auf iPhone

Wenn man im Zusammenhang mit iOS-Games an den hohen Norden denkt, kommt wohl den Meisten die finnische Spieleschmiede Rovio mit ihrer phänomenal erfolgreichen “Angry Birds”-Reihe in den Sinn. Doch auch im Nachbarland Schweden werden erstklassige Spiele für iPhone und Co. entwickelt, zum Beispiel durch den Entwickler Simogo, welcher mit “Beat Sneak Bandit” anfangs 2012 den ganz grossen Durchbruch schaffte. Nun, ziemlich genau ein Jahr später, legen die beiden Jungs aus Malmö nach und präsentieren uns mit “Year Walk” ein Spiel, wie man es auf dieser Plattform nur sehr selten zu sehen bekommt. Düster, bedrückend und mit einer grossen Portion schwedischer Mythologie angereichert, fesselt dieser Horror-Trip auf seine ganz eigene Weise. Doch lest selbst.

Dass es sich bei "Year Walk" keineswegs um leichte Kost handelt, merkt man schon beim ersten Spielstart. Nach einem kurzen Vorspann blickt man aus der First-Person-Perspektive auf ein verschneites Haus in einem nicht gerade einladend wirkenden Wald. Doch worum geht es überhaupt? In der schwedischen Mythologie gibt es eine inzwischen fast komplett in Vergessenheit geratene Praktik die "årsgång" genannt wird - oder auf Englisch übersetzt eben year walking -, welche dem Walker erlauben soll, in die Zukunft zu blicken. Doch der Weg war beschwerlich und mit grossen Gefahren verbunden. Ein Year Walk konnte nur an bestimmten Tagen im Jahr durchgeführt werden, wobei die Nacht zu Neujahr (daher auch der Begriff year walking) der meistgewählte Zeitpunkt war. Die Person, die sich diesem Ritual unterziehen wollte, zog sich in eine tief im Wald gelegene Hütte zurück und durfte den ganzen Tag weder schlafen noch Nahrung zu sich nehmen. Um Mitternacht machte er oder sie sich dann daran, einen Weg aus dem stockdunklen Wald und zur lokalen Kirche zu finden. Neben den Gefahren durch Dunkelheit und Kälte begegnete der Walker in der Regel auch verschiedenen nordischen Sagengestalten, welche ihm unter Umständen physischen oder psychischen Schaden zufügen konnten. Erreichte der Walker jedoch mehr oder weniger unversehrt die Kirche, so wurde ihm ein Blick in die Zukunft gewährt, wo er unter anderem auch erfuhr, wer aus seiner Kommune im kommenden Jahr sterben würde.Screenshot

Du bist nicht alleine im Wald...

Von dieser Prämisse ausgehend begebt ihr euch also auf euren ersten Year Walk. Ganz ohne Informationen über die Welt da draussen müsst ihr allerdings nicht auskommen, den zusätzlich zum eigentlichen Spiel wurde auch noch die sogenannten "Year Walk Companion"-App veröffentlicht, welche kostenlos aus dem AppStore heruntergeladen werden kann. Diese bietet euch weitere Infos über das Year Walking an sich, aber auch über die verschiedenen Sagengestalten. Zudem gibt es noch einen passwortgeschützten Bereich, doch welche Infos sich dahinter genau verbergen, müsst ihr schon selber herausfinden. Im Spiel gibt es keine eigentliche Quest-Struktur oder ähnliches, vielmehr erforscht ihr den Wald, prägt euch dabei Hinweise ein, die ihr später vielleicht noch braucht und achtet auf Veränderungen, die sich im Laufe des Spiels ergeben, und die euch bei genauerem Hinsehen oft verraten, was als nächstes zu tun ist. Wir ihr den Screenshots entnehmen könnt, ist die Grafik dabei zwar in einem eher simplen, aber dennoch faszinierenden Stil gehalten. Auch das Sounddesign vermag zu überzeugen. Häufig hört ihr ausser dem monotonen Stapfen durch den Schnee und einiger Hintergrundgeräusche nur sehr wenig, aber wenn dann doch mal die meist ziemlich schaurige Musik erklingt und der Geräuschpegel anschwillt, dann wisst ihr, dass es ernst gilt.Screenshot

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