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Judgment (XSX) - Test / Review

Krimi-Abenteuer im Neon-Paradies

Test Video Joel Kogler getestet auf Xbox Series X

Seit 2005 begeistert die "Yakuza"-Reihe nicht nur japanische Gamer, sondern hat sich, wenngleich langsam, auch im Westen einen Namen gemacht. Inzwischen finden sich alle Hauptteile der Reihe im Xbox Game Pass. Der Aufbau ist dabei fast immer gleich. Ihr schlüpft in die Haut eines japanischen Gesetzlosen in einem ausführlichen Drama voller Verrat, Intrigen und Gewalt. Nebenbei erkundet ihr einen fiktiven Stadtteil Tokios, der mit seltsamen Gestalten und Nebenaktivitäten geradezu überläuft. Das erstmals 2018 erschienene Spin-off "Judgment" ändert an der Formel aus brachialen Kämpfen, dramatischer Story und Lebenssimulation nicht viel, bringt aber eine neue Perspektive. Dieses Mal steht ihr nämlich auf der Seite des Gesetzes, jedenfalls einigermassen. Als Privatdetektiv müsst ihr Verbrechen aufklären, obwohl ihr dabei nicht selten selbst die Regeln brecht. Jetzt erscheint für die PlayStation 5 und die Xbox Series X/S eine grafisch überarbeitete Fassung von "Judgment", das im Gegensatz zum früher erschienenen "Yakuza: Like a Dragon" etwas näher beim Ursprung der Reihe bleibt.

Fäuste der Gerechtigkeit

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Kazuma Kiryu, der übliche Protagonist der "Yakuza"-Reihe, spielt dieses Mal nicht die Hauptrolle. Stattdessen schlüpft ihr in die Haut des Star-Anwalts Takayuki Yagami, der einen Yakuza vor einer Gefängnisstrafe bewahrt. Als der Angeklagte kurz nach dem erkämpften Freispruch scheinbar seine Freundin umbringt und die gemeinsame Wohnung niederbrennt, bricht Yagamis Welt zusammen. Er traut seinen eigenen Instinkten nicht mehr und ist überzeugt, dass er Schuld nicht mehr von Unschuld erkennen könne. Geplagt von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln, gründet er zusammen mit einem Ex-Yakuza eine Detektei. Gemeinsam lösen sie kleinere Fälle - von untreuen Ehemännern bis zu verschwundenen Schuldnern. Über seine Kontakte mit der Yakuza wird Yagami jedoch in einen grösseren Mordfall verwickelt, bei dem mehreren Yakuza die Augen ausgestochen wurden. Der Mörder sitzt bereits hinter Gittern, und der Fall scheint klar. Doch als Yagami über einige unpassende Details stolpert, wird sein Verständnis von Gerechtigkeit abermals auf die Probe gestellt.

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Die neue Perspektive fügt sich perfekt ins breitere "Yakuza"-Universum ein und erlaubt es euch, den aus den anderen Spielen bekannten Stadtteil Kamurocho in neuem Licht zu sehen. Die Story ist zwar nicht komplett anders als in den bisherigen Teilen der Reihe, doch der Fokus auf Ermittlungsarbeit schafft es, die Spannung grösstenteils zu erhalten. Lediglich der selbst für die "Yakuza"-Reihe aussergewöhnlich langsame Start kann hier Neueinsteiger eventuell abschrecken. Gleich mehrere Stunden Spielzeit fordert "Judgment", damit es sein volles Potenzial - sowohl im Hinblick auf die Story als auch auf das Gameplay - entfaltet. Eine weitere Hürde findet sich im Protagonisten Yagami, der im Vergleich zwar bodenständiger wirkt als die früheren Helden der Serie, aber dadurch auch kaum Raum hat, eine Persönlichkeit zu entwickeln. Egal welchen Vergleich man zieht, ob Cole Phelps aus "L.A. Noire" oder Ichiban aus "Yakuza: Like a Dragon": Detektiv Yagami ist schlicht zu langweilig, um das Zentrum der eigentlich spannenden Geschichte zu sein. Das Spiel scheint gleicher Meinung zu sein und kümmert sich weit mehr um seine Nebenfiguren als um den Spielcharakter. Hier wäre es vielleicht eine spannendere Idee gewesen, dem Spieler die Möglichkeit zu geben, einen eigenen Charakter zu erstellen.

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