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Magic: Legends - Vorschau / Preview

Wer braucht da noch Diablo IV?

Vorschau Video Benjamin Braun

Richard Garfields 1993 gestartetes Sammelkartenspiel "Magic: The Gathering" hat längst auch den Videogame-Sektor erobert. Neben den regulären Sammelkarten-Ablegern, die letztlich den Weg von Titeln wie Blizzards "Hearthstone" ebneten, wagte sich "Magic: The Gathering" zudem bereits mehrfach ins RTS-Genre vor. Mit "Magic: Legends" schicken Perfect World Entertainment und Cryptic Studios dieses Jahr ein Action-RPG auf Basis des Franchises für PC und Konsole ins Rennen, das man am ehesten mit "Diablo" vergleichen könnte. Wir konnten das Abenteuer noch vor dem offiziellen Betastart anspielen.

Bereits vor der offiziellen Ankündigung auf der BlizzCon 2019 stand ein Hack-&-Slay-Rollenspiel weit oben auf den Most-Wanted-Listen der Genre-Fans. Das ist allerdings ein bisschen unfair. Weniger, da Blizzard Entertainment "Diablo IV" erst nach massiver Kritik der Spieler enthüllte, sehr wohl aber, da auch viele andere Hersteller in den vergangenen Jahren bewiesen haben, dass sie es - trotz eines oft deutlich niedrigeren Budgets - ähnlich gut können wie das legendäre Studio aus dem kalifornischen Irvine. Im Jahr 2021 erhält das Hack-&-Slay-Genre erneut Zuwachs auf Basis der prestigeträchtigen Lizenz des Sammelkartenspiels "Magic: The Gathering". Wir konnten "Magic: Legends" bereits vor dem Start der offenen Betaphase Probe spielen und mit den Machern sprechen. Im Folgenden möchten wir euch näherbringen, warum ihr die Fantasy-Action unbedingt im Hinterkopf behalten solltet.

Sammelkarten treffen auf satte Echtzeit-Action

Das Sammelkartenspiel "Magic: The Gathering" feierte seit seinem Start Anfang der 1990er-Jahre insbesondere als physische Version grosse Erfolge. Aber nicht nur dort, denn die Trading-Card-Vorlage diente bereits mehrfach auch als Schablone für Computer- und Videospiele. Während es sich dabei zumeist um recht klassische, virtuelle Sammelkarten-Ableger handelt, erschienen mit "Battlemage" und "Battlegrounds" unter anderem zwei RTS-Adaptionen, die das vielseitige Potenzial der von Richard Garfield erschaffenen Marke unterstreichen. "Magic: Legends" ist nun das erste Spiel, das das komplexe Universum als Grundlage für ein Action-RPG nimmt. Aufgrund der vordergründigen Parallelen zu Spielen wie "Diablo" oder "Wolcen" könnte man es als Hack-&-Slay-RPG betiteln, allerdings ist die Bezeichnung von Perfect World Entertainment treffender. Der Publisher, der bereits zuvor verschiedene "Magic"-Spiele herausbrachte und zudem unter anderem für das Dungeons-&-Dragons-MMOG "Neverwinter" und die "Torchlight"-Reihe bekannt ist, zieht die Bezeichnung "Hack-and-Cast Action-RPG" vor, die das Spielgeschehen ziemlich gut beschreibt. Denn in "Legends" sind die Decks respektive die davon ausgerüsteten magischen Karten eures Planeswalkers der zentrale Bestandteil der Spielmechanik. Der Primärangriff spielt unseren bisherigen Eindrücken nach, gerade im Vergleich mit "Diablo", eine sehr untergeordnete Rolle. Von grosser Bedeutung sind jedoch auch die charakterspezifische Sekundär- und eine Hilfsfähigkeit, die ähnlich wie die Zauber später verbessert werden. Einen herbeigerufenen Engel des Weihepriesters, der euch in einer brenzligen Situation beschützt, aber auch austeilen kann, dürft ihr später zum Beispiel gleich mehrfach aktivieren. Die Sekundärfähigkeit des Priesters besteht aus einer Art Druckwelle, mit der ihr ordentlich Schaden verursacht, euch aber vor allem aus der Umklammerung eines Feindpulks befreien könnt.

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Gerade bei den zum Betastart bereits 170 verfügbaren Zaubern (Kreaturen, Verzauberungen und Hexereien) hält sich Entwickler Cryptic Studios sehr stark an die Vorlage - so sehr, wie es eben in einem Echtzeit-Actionspiel möglich ist - und unterstreicht damit seine aus früheren Spielen bekannte "Magic"-Expertise. Ihr erschafft mit den roten oder weissen Decks der Boros Legion etwa Kreaturen wie Goblins oder menschliche Soldaten, die an eurer Seite kämpfen, Schaden verursachen oder die Aufmerksamkeit der Gegner von euch ablenken. Die Kreaturen könnt ihr auch zusätzlich verzaubern oder vernichtende Flächenhexereien wirken, die etwa in einem schmalen, gerade angelegten Sektor Stacheln aus dem Boden schiessen lassen. Andere ermöglichen es, eure Feinde kurzzeitig zu lähmen oder auch euch und eure Verbündeten zu heilen, wodurch die Action ähnlich stark betont wird wie die taktischen Komponenten. Noch stärker an euren Spielstil könnt ihr die Zauber durch das Anlegen bestimmter Ausrüstungsteile anpassen, um eine von unzähligen Wechselwirkungen innerhalb eures Decks zu erzielen. Alternativ könnt ihr damit den Mana-Bedarf oder die Cooldown-Zeit verringern.

Mit dem grünen bzw. schwarzen Deck des Golgari-Swarms wiederum erzeugt ihr unter anderem die riesige, elementare Wächterkreatur Greenwarden of Murasa, die, genau wie sämtliche anderen Karten, Kennern von "Magic: The Gathering" ebenfalls bestens vertraut sein dürften. Wenn sich das baumartige Biest allerdings direkt vor unseren Augen durch die Feindhorden pflügt und kleinere Gegner mit Stampfattacken niedermacht, ist das etwas anderes als sich genau das bloss vor seinem geistigen Auge auszumalen. Es macht zudem klar, dass die Action hier im Zentrum steht, ohne dass Cryptic Studios die Kernkompetenzen und Komplexität der Vorlage dabei unnötig verwässert. Hier ist alles möglich, also etwa auch das Opfern erschaffener Kreaturen, um speziellen Bonusschaden anzurichten oder um schnell ein paar verlorene Trefferpunkte zu regenerieren.

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Das ist schon ein grosser Spielplatz, der etliche Anpassungsoptionen erlaubt und zudem das Hintergrundwissen von Kennern der Vorlage belohnt! Allerdings können wir Anspruch und Spielbalance anhand unserer nur etwa einstündigen Session noch nicht wirklich einschätzen. Denn für unsere spezielle Demo waren die beiden Spielfiguren, die wir steuern durften, bereits nahezu vollständig aufgewertet, während zudem der niedrigste der drei Schwierigkeitsgrade aktiviert war. Wir hätten also wohl auch beim willkürlichen Auslösen von Karten und sonstigen Fähigkeiten den ebenfalls aus der Vorlage bekannten aquatischen Boss Noyan Dar oder andere Boss- und Zwischengegner mühelos gelegt.

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