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Beyond: Two Souls

Schauspielerei auf Speed, Sexismus in Hollywood?

Interview Benjamin Kratsch

Sexismus in Hollywood, Feminismus, Digitalisierung der Filmindustrie, Scorsese-Zitate und „Jodie ist mehr als ein Babe mit Brüsten“ – das alles und viel mehr gibt’s im wohl grössten Interview in der Geschichte von GAMES.CH mit Ellen Page, Willem Dafoe und David Cage. Das hier ist mal keine reine Games-Geschichte, sondern ein Gespräch rund um Autorenkino, Kamera-Stile, Experimentaltheater und ein intensiver Blick hinter die Kulissen von Big-Budget-Blockbustern wie „Inception“. „Beyond: Two Souls“ – Mega-Interview-Special

Screenshot „...also irgendwie ist Jodie einfach ein cooler Charakter. Sie ist eine starke Frau, nicht einfach nur ein Babe mit grossen Brüsten. Sie wird von ihren Eltern rausgeschmissen, lebt als Teenager auf der Strasse, verliebt sich, der Kerl ist ein CIA-Agent. Sie ist eben mehr als ein Hollywood-Chick“

 
...Worte, die in einem längeren Gespräch mit Schauspielerin Ellen Page, William Dafoe und David Cage fallen. Ich treffe Ellen zum zweiten Mal und immer wieder wird klar: Die Lady muss erst auftauen.

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Page ist kein typischer Hollywood-Star, keine Rampensau wie Robert Downey Jr., bei dem die Gags genau so gut sitzen wie sein Anzug. Sie ist sehr zurückhaltend, denkt länger über das nach was sie sagt. Im Grunde ist Ellen das genaue Gegenteil eines Triple-A-Promis: Sie lacht wenig, das ist untypisch für eine Industrie, in der Unwissenheit gerne weggelächelt wird und in der Stars Journalisten das Gefühl geben ihre besten Freunde zu sein. Gespräche finden bei ihr auf einer Ebene statt, sie interessiert sich genau so für das was der Interviewer zu sagen hat, wie ich mich dafür interessiere, was sie denkt. Es ist also weniger ein klassisches Q&A, kein Frage-Antwort-Spielchen und deswegen auch kein langweiliges Interview, sondern immer wieder spannend mit Ellen Page über ihre Sicht der Welt zu reden.

Folgt ihr auf Twitter - @ellenpage – und seht was sie manchmal für Bomben platzen lässt: „ Ihr wollt einem 15-Jährigen Mädchen die Möglichkeit nehmen Sex zu haben ohne schwanger zu werden, aber jeder Idiot darf mit einer Waffe rumrennen. Fuck you!“ Das war im July 2013, in einer Zeit wo die USA über die Pille danach debattiert haben. Ja, in den USA leben etliche Politiker (Republikaner genannt) noch in der Steinzeit.

Screenshot Willem Dafoe: Hollywood-Veteran, hat schon alles gesehen und gespielt. Fast!

Neben ihr sitzt ein Typ, der eigentlich alles schon gesehen hat. Bei dem Hollywood quasi aus jeder Falte spricht: Platoon, Der blutige Pfad Gottes – zwischendrin immer wieder leichte, aber höchst erfolgreiche Kost wie „xXx 2“ (einmal Kapitol umbauen bitte) und „Spider-Man“ (Green Goblin) abdreht und sich dann wieder spanischen Arthouse-Filmen hingibt (Nadiere quiere la noche, läuft erst 2014 an). Er ist ein Mann, der gefühlt schon alles gesehen, alles gespielt und laut der Filmdatenbank imdb.com die meisten Filmtode eines Hauptcharakters gestorben ist. Dafoe ist eigentlich schon eher der abgeklärte Typ Marke „Ich bin hier, weil ich dafür bezahlt werde“. Er benutzt Sätze, die sonst eher selten in solchen Interviews fallen: „Ich biete einen Service an und will abliefern, darum geht’s ja in diesem Geschäft“. Von Geschäft redet man in Hollywood nicht, normalerweise ist alles Kunst oder zumindest Fan-Service. Kleine Überraschung, davon gibt’s an diesem Tag in Paris aber etliche. Ich merke Dafoe an, das er sich wirklich für das Thema Gaming interessiert und was viel spannender ist: Warum er sich vorher nicht dafür interessiert hat. Für Aussenstehende sind Games oft etwas Merkwürdiges – da werden Knöpfe gedrückt, fliegen Kugeln über den Bildschirm. Dafoe kannte Videogames vorher nur aus der Werbung. Aus Werbetrailern wie Pro vs. Noob von „Call of Duty: Black Ops 2“, so richtig konnte er damit nichts anfangen. Schon verständlich: Für einen Schauspieler wirken viele Spiele eher belanglos und die Story und Charakterprofile der meisten Soldaten in Shootern passen nun mal auf einen Bierdeckel.

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